Kulturschock Brasilien

Hiermit wollen wir die Blogkategorie “Kulturschock” einführen. Es werden nicht in dem Sinne Reiseberichte veröffentlicht, sondern lediglich die Eigenarten der jeweiligen Region dokumentiert. Um gleich eins vorweg zu nehmen, die hier beschriebenen Eigenarten sollen keineswegs Vorurteile schüren oder Fremdenhass fördern, es sind lediglich Dinge, die uns während unserer Reise aufgefallen sind. Einen ähnlichen Kulturschock würden viele Menschen wohl auch in Deutschland in nicht minderer Stärke empfinden. Also nicht zu ernst nehmen. :D

Geld abheben

Bereits in den ersten Tagen mussten wir leidlich feststellen, dass Geld aus einem Automaten ziehen in Brasilien keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist, zu mindest nicht für Ausländer. Wir hatten uns extra die DKB-Kreditkarte besorgt, mit der wir an Geldautomaten auf der ganzen Welt gebührenfrei abheben können, aber nicht mit den Brasilianiern. In den ersten Tagen versuchten wir es erfolglos bei diversen Banken. Die Meldungen waren vielfältig, hatten aber in der Regel die selbe Aussage: “Could not contact your Credit Institute”, “General Network Error”, unsere Lieblingsmeldung “Daily Limit Exceeded”, das einfache wieder ausspucken der Karte nach eingegebener Pinnummer oder schlicht und ergreifend das vollständige Ignorieren unserer eingesteckten Karte mit der Aufforderung: “Please insert your Card!”. Die einzigen zuverlässigen Banken waren schliesslich die Bradesco und HSBC, ohne diese beiden Kreditinstitute wären wir vermutlich verloren gewesen.

Kopfrechnen

Das Geld in Brasilien ein spezielles Thema ist, zeigte sich auch an anderer Stelle. Die Fähigkeit, das kleine Ein-mal-Eins im Kopf zu rechnen, gehört in Deutschland zum Grundschulstoff, ist in Brasilien jedoch keineswegs eine Voraussetzung, in einer gastronomischen Einrichtung arbeiten zu können. Schnell gewöhnten wir uns an, die Rechnungen in Restaurants auf jedes Detail zu überprüfen. In der Regel waren einige Posten darauf aufzufinden, die wohl “versehentlich” falsch gebucht wurden. Hatte man diese erst einmal ausgemacht und reklamiert, kam dann eine korrigierte Rechnung zurück. Diese enthielt dann zu mindest schon einmal die korrekten georderten Speisen und Getränke. Dann kam jedoch hinzu, dass die Preise teilweise von den in der Karte angegebenen abwichen. War auch dieser Makel beanstandet und korrigiert, so stimmte immer noch die Gesamtsumme nicht mit unseren Ergebnissen überein. So konnte es schon einmal eine halb Stunde dauern, bis man eine korrekte Rechnung erhielt. Am Ende mussten wir uns nur noch hüten, die krummen Beträge passend in Kleingeld dazuzulegen, also z.B. 67,50 R$ mit 117,50 R$ zu bezahlen, um 50 R$ Wechselgeld zurückzubekommen, denn dieses Unterfangen endete in der Regel IMMER mit einem DESASTER.

Multitasking

Eine weitere Auffälligkeit des brasilianischen Service Personals ist die fehlende Fähigkeit, Aufgaben zu priorisieren, geschweige denn gleichzeitig auszuführen. Nachdem wir beispielsweise in einer Strandbar etwas gegessen hatten, dauerte es gerne mal eine halbe Stunde, bis der Kellner auf die Idee kam, sich mal wieder blicken zu lassen. Wenn er dann tatsächlich einmal aufkreuzte, um das mitlerweile von Fliegen übersähte Geschirr abbzuräumen, durfte man in jedem Fall nicht den Fehler begehen, ihn mit einer zweiten Aufgabe, wie z.B. der Bestellung eines weiteren Getränks zu belasten. Tat man dies dennoch, so stellte er das so eben in die Hand genommene Geschirr wieder auf unserem, oder wahlweise auch dem Nachbar-Tisch ab, um dann in die Küche zu eilen und die Bestellung weiter zu geben, anstatt das Geschirr einfach mitzunehmen. Anschliessend war dann die alte Aufgabe auch offenbar nicht mehr in der Warteschleife, sondern wurde einfach vergessen. So labten sich die Fliegen vermutklich meist noch Stunden lang an unseren Essensresten, nachdem wir uns schon lange die Sonne auf den Pelz brennen liessen oder uns in den Wellen abkühlten.

Eine andere Art der Mode

Bereits am ersten Tag fiel uns der spezielle Geschmack der Brasilieros auf, wenn es um das Thema Kleidung geht. Das die Bikini Mode hier etwas knapper als im europäischen Durchschnitt ausfällt, ist zum ersten kein Geheimnis und sollte, speziell die Männerwelt, wohl auch kaum als Störend empfunden werden. Ein Spaziergang am Strand zeigte uns jedoch direkt, dass weniger nicht immer mehr ist. Die Brasilianerinnen fehlt offenbar etwas, dass wir in Europa Schamgefühl nennen, was grundsätzlich natürlich eher eine positive Eigenschaft ist. Die Anblicke, die wir dafür am Strand ertragen mussten, waren allerdings teils schon sehr heftig. Die ohnehin recht gut bestückten älteren Damen zwengten sich in String-Tangas hinein, die mindestens zwei bis drei Nummern zu klein für ihre ausladenden Hinterteile waren, so dass der schmale Faden Stoff hoffnungslos in den Körperrundungen unterging.

Eine weitere spannende Geschmacksverirrung empfanden wir die grobmaschig gehäkelten, hautfarbenen Netzkleider, die von der selben Zielgruppe getragen wurde. Hauteng geschneidert bedecktge der Stoff nur etwa 30 % des Körpers, die anderen 70% liessen wiederum tiefe Blicke auf die zuvor angesprochene Bademode erhaschen. Einzigartig! Leider haben wir davon kein Bild einfangen können…

Ansonsten kleidet sich die brasilianische Bevölkerung recht farbenprächtig, was auch in etwa unseren Vorstellungen entsprach. Viele Neonfarbene Tops, dazu häufig eine kurze Jeans-Shorts. Erst dachten wir, die Menschen würden sich diese aus langen Hosen selbst schneidern, in dem sie einfach die Beine abschnitten, da die Hosentaschen immer noch weit über den Saum der angedeuteten Hosenbeine hinausragten. In diversen Klamottenläden und auf dem Markt mussten wir dann jedoch feststellen, dass dies offenbar ein gewollter Effekt war, denn die herauslukenden Hosentaschen schienen geradezu in ihrer Länge miteinander zu konkurrieren.

Das letzte Accessoire, dass wir hier hervorheben möchten, ist der Turnbeutel. Anstelle von Taschen, Rucksäcken, HipBags oder was auch immer, tragen unglaublich viele Leute hier einfach Turnbeutel auf dem Rücken. Johanna, hier hast du deine perfekte Zielgruppe gefunden! :D

Schaulaufen am Strand

In den meisten grösseren Küstenstädten gab es eine lange Strandpromenade, auf der die Menschen vor der Dämmerung ein Schaulaufen veranstalteten, um ihre neuen Turnbeutel und Netzkleider zu präsentieren. Ausserdem wurde der Gehweg zu vielerlei Arten von Sport genutzt. Häufig traf man sportlich gekleidete Menschen, mit iPod am einen und Pulsmesser am anderen Arm, Stirn- und Schweissband durften nicht fehlen, wenn sie Promenade im Eiltempo entlang… …gingen. Nein von Laufen ist hier keine Rede, da könnte ja der Eindruck entstehen, man habe es eilig. Eins ist sicher, in Braslien hat es niemand eilig. Und deshalb wird auch nur in kompletter Sportmontur am Strand entlang gegangen. Sympathisch :D

Die kulinarischen Genüsse

Im Allgemeinen ist die brasilianische Küche eher puristisch und besteht in erster Linie aus Reis, Bohnen, Farofa (ein zu Pulver kleingemahlenes Getreide, dass zur Sättigung dient) und dazu viel Fleisch. Fast schon unglaublich, dass so viele Brasilianier bei dieser Nahrung so durchtrainiert und sportlich gebaut sind. Nichtsdestotrotz gibt es in Brasilien auch viele, einzigartig leckere Geschmäcker zu finden, die uns restlos begeistert haben. Nicht zu letzt die frischgepressten Säfte, die es an jeder Strassenecke und in jedem Restaurant günstig zu kaufen gab. Wahlweise natürlich auch gerne mit Spirituosen angereichert ;-)

Als eine besonders erwähnenswerte Frucht empfanden wir Açai. Eine Beere, die hauptsächlich im Amazonasgebiet wächst und die kaum an anderen Orten auf der Erde zu finden ist. Serviert wird sie typischerweise als eine Art Sorbet, dass es ebenfalls an vielen Strassenständen zu bekommen gibt. Tiefgefroren wird ein Açai Block in den Mixer geworfen und klein püriert. Anschliessend gibt es Bananenscheiben und Granola (ähnlich wie Müsli) obendrauf, wer möchte, kann es sich noch mit Honig versüssen lassen, worauf wir meistens verzichteten. Zusammen ergibt das ein unglaublich leckeres Frühstück oder auch eine nette Zwischenmahlzeit am Nachmittag. Ein grossartiger Genuss! Kaum zu fassen, dass diese Frucht noch nicht die Bistros deutscher Innenstädte erobert hat…

Was uns ausserdem noch gut gefiel, war das Brasilianische Pendant zum All-You-Can-Eat-Menü. Natürlich gab es auch solche zu finden, gängiger ist allerdings ein Konzept, dass sich Self-Service nennt. Das Prinzip ist einfach: Es gibt ein Buffet mit verschiedenen warmen und kalten Speisen, Beilagen, Salaten und Nachspeisen. Man bedient sich selbst, anschliessend wird der Teller abgewogen, man bezahlt nur, was man auch isst. Auf diese Weise lässt sich erstens ein individuelles Menü zusammenstellen, das nur enthält, was man auch wirklich essen mag. Der grösste Vorteil gegenüber des All-You-Can-Eat-Prinzips ist jedoch die Tatsache, dass man nicht den Zwanghaften Druck verspürt, noch einen Teller mehr zu nehmen, weil man ja schliesslich für ALLES bezahlt hat. So gingen wir stets mit einem angenehmen Gefühl im Magen hinaus, hatten Salat, Hauptgericht mit exklusiv auf den Punkt gegrilltem Rinderfilet, Sushi und ein Dessert gehabt, und das ganze in der Regel zu einem sehr fairen Preis. Und das Beste: Es wird nicht so viel weggeworfen! Hier könnte sich Europa gerne mal ein Vorbild nehmen!

Familiensonntag

Eine weitere Attraktion in unseren Augen, waren die sonntäglichen Familienausflüge. Der Brasilianier fährt hierzu nicht etwa irgendwo ins Grüne, warum auch, wenn das Meer direkt vor der Haustür ist. Er packt also statt dessen die Familie ins Auto und fährt in ein nahegelegenes Strandlokal mit Plastikstühlen. Dort bestellt Mutti morgens um 09:00 Uhr schon mal eine grosse Flasche Bier für alle und packt dazu schon mal den mitgebrachtgen Whiskey aus, der anschliessend mit der bestellten Cola gemischt wird. Vaddi parkt derweil schon mal das Auto in unmittelbarer Nähe der Sitzplätze und öffnet den Kofferraum, wo statt Decken und Handtüchern nur riesige Bassboxen zu finden sind. Die Anlage wird also bis zum Anschlag aufgedreht, um die gesamte Nachbarschaft mit zu beschallen. So verbringt die Familie dann bis zum Einbruch der Dunkelheit unter einem Sonnenschirm, bis alle Sternhagelvoll sind, gröhlen und tanzen.

Little hawaii in brasil – Itacare

Von der Chapada aus ging es nach Itacare, dass nach den anstrengenden Wanderungen wieder etwas mehr Entspannung versprach. Wir nahmen den sehr frühen Bus und kamen nach insgesamt etwa 12 Stunden in Itacare an. Wir hatten bereits ein Hostel gebucht, das Casarao Verde war uns empfohlen worden. Die grün-weiß gestrichene Villa war in der Tat sehr nett, hübsch eingerichtet, mit viel Liebe für Details und handgedrechselten Geländern.

 DSC_0453 DSC_0327 DSC_0331 DSC_0345 DSC_0352 DSC_0324 DSC_0359 DSC_0360 DSC_0364

Beim Frühstück am nächsten Morgen lernten wir auch schnell einige nette Leute kennen: da war Melanie, eine Schwäbin, die bereits seit 1,5 Jahren auf Weltreise war, Michelle aus Schweizerin und Adi, ein Israeli, der uns bereits zu früher Morgenstunde mit erstaunlich offenen Weltansichten überraschte. Er war ebenfalls ein freiberuflicher Softwareentwickler in einem Startup Unternehmen und musste daher gelegentlich auch mal Zeit am Notebook verbringen und arbeiten. Naja, es gibt schlimmere Orte zum Arbeiten ;-)

DSC_0347

So waren wir von Anfang an in guter Gesellschaft. Dazu kam noch, dass die beiden Londoner Mat und Mike ebenfalls schon in Itacare waren, um dort die letzte Woche ihres Trips zu verbringen. In den ersten Tagen erkundeten wir zunächst die nahe gelegenen Strände, von denen es 4 Stück gab und die deutlich schöner als die Stadtstrände waren: Kleine, mit Palmen gesäumten Buchten, ein paar Caipirinha- und Kokosnussverkäufer, ein paar Menschen, ein paar Surfer.

DSC_0371

Von anderen Reisenden hatten wir noch von anderen Stränden gehört. Da gab es Prainhna, der durch einen 45-minütigen Dschungel-Spaziergang erreichbar sein sollte, allerdings soll es auf diesem Waldstück häufig zu bewaffneten Überfällen kommen, was wir uns gerne ersparen wollten. Etwa 20 Busminuten entfernt sollte es jedoch weitere wundervolle Strände geben, so fuhren wir nach ein paar Tagen zum ersten dieser Strände namens Enginhoca, was soviel wie guter Einfall bedeutet. Ein traumhafter Surfspot für Einsteiger, lange und konstante Wellen, die gleichmäßig in eine Richtung brachen und einem den perfekten einstieg ermöglichten. Dazu eine traumhafte Kulisse, eine kleine Bucht, umschlossen von Felsen und Palmen-Dschungel, durch den man sich vorher etwa 15 Minuten hindurch schlagen musste. Am nachmittag gingen wir noch einen Strand weiter, wo wir unseren bisherigen Traumstrand entdeckten: Havaizinho, klein Hawaii. Eine menschenleere, palmenbesetzte, weiß-strandige Bucht, das Paradies! (Anm. d. Red.: aus Gründen der Sicherheit wurde davon abgeraten, Kameras mit an diese Strände zu nehmen, so dass wie leider keine Fotos vom Paradies zeigen können.)

An den nächsten tagen erkundeten wir auch noch die zwei dahinter gelegenen Strände Camboa und Itacarezinho, die die ersten beiden jedoch nicht mehr übertreffen konnten. So brachten wir auch die anderen zu diesen traumhaften Orten, auch Denise und Ali, die einen Umweg über die Insel Morro de Sao Paolo gemacht hatten, waren mittlerweile eingetroffen. So waren wir mitlerweile wieder zu einer grossen Runde angewachsen, und verbrachten die Zeit mit Stränden am Tag, Barbecue am Abend und anschliessenden Caipirinhas bei lauter Musik in den Bars und Clubs von Itacare.

DSC_0406 DSC_0396 DSC_0390 DSC_0388 DSC_0386 DSC_0384 DSC_0382 DSC_0380 DSC_0377 DSC_0374 DSC_0367 DSC_0342 DSC_0338 DSC_0438 DSC_0439 DSC_0440 DSC_0410 DSC_0417 DSC_0421 DSC_0427 DSC_0444

Geburtstag in Salvador

Leider gibt es keine einfach zu buchende Direktverbindung von Porto de Galinhas nach Salvador, so mussten wir noch einmal zurueck nach Recife zum Busbahnhof fahren, um dort den Bus nach Salvador zu nehmen. Salvador ist die Hauptstdt Bahias und weist den groesseten Anteil an schwarzer Bevoelkerung und zudem auch die hoechste Kriminalitaetsrate des Landes auf. Wir hatten uns ein Hostel in der kulturreichen Altstadt Pelourinho gebucht, das von der Erscheinung her stark an Olinda erinnerte: Viele enge Gassen, bunte Haeuser im Kolonialstil und viel Musik auf den Strassen. Unser Hostel war ein spezieller Ort. Die Betreiber, ein Haufen von freakig aussehenden Argentiniern und Argentinierinnen mit Dreadlocks und Hippie Klamotten, waren sehr freundlich, verspruehten allerdings auch nicht unbedingt viel Herzlichkeit. Das Hostel war bereits seit zwei Jahren in Betrieb, wirkte allerdings immer noch wie in der Entstehungsphase. Es gab einen Hinterhof, mit einem angeschlossenen Badezimmer im Keller, dazu eine Freiluftkueche, die durch ein Welldach darueber vom groebsten Regen trocken gehalten wurde.

DSC_0391 DSC_0392

Das Hostel selbst begann im ersten Stock, wo einen auf der gesamten Flaeche des Hauses (ich vermute ca. 120 Quadratmeter) ein riesiger Empfangsraum erwartete. Hinter einem selbstgezimmerten Pult war die Rezeption, zwei Hangematten, ein Bett und ein Bockssack waren das einzige Mobilar und wirkten recht verloren aufgrund der Weite und vor allem auch der Hoehe des Raumes, die bestimmt an die 5 Meter betrug. Auf dem dunklen Holzdielenboden wurden gelegentlich Tanz-, Musik- oder Entspannungs-Workshops abgehalten. Die zwei Privatzimmer sowie die Dorms befanden sich auf der zweiten Etage, die vor kurzem noch der Eingangshalle recht aehnlich gewesen sein muss. Als Sichtschutz waren duenne Holzwaende aufgestellt worden, die allerdings gerade einmal zwei Meter hoch waren. Zwischen der Wand und der Decke waren dann Tuecher gespannt, damit man nicht in die Nachbarzimmer hineinsehen konnte. Diese fuerten zwar zu einem netten Durchzug und deshalb gut aushaltbaren Temperaturen, wiesen allerdings keinerlei Gerauschschutz auf. Auch wenn jemand Nachts im Nachbarzimmer das Licht anmachte, waren gleich alle Zimmer zusammen erhellt. Die ersten zwei Naechte hatten wir lediglich ein Doppel-Hochbett, so dass ein Wenig der Charm eines Schullandheims aufkam. Noch eine Etage hoeher wohnte dann die Belegschaft, wobei kaum zu unterscheiden war, wer Gast und wer Belegschaft war. Es wirkte so, als ob etwa 1/4 der Menschen den Laden betrieben, ein weiteres Viertel kostenfrei dort wohnte und dafuer dort arbeitete, noch ein viertel Langzeit-Bewohner waren, die fuer ein wenig Putzarbeiten guenstiger wohnen konnte und schliesslich das letzte Viertel eigentliche zahlende Gaeste waren. Anfangs dachten wir schon, wir muessten hier selbst noch Putzdienst abhalten, aber das stellte sich gluecklicherweise als Irrtum heraus.

DSC_0385 DSC_0393 DSC_0396 DSC_0397 DSC_0399 DSC_0401-2 DSC_0407 DSC_0429 DSC_0425

An einem der ersten Tage machten wir eine Stadtbesichtigung, um uns auch mal ein wenig Kultur zu goennen. Die Amerikaner wohnten in einem nahegelegenen Hostel, was deutlich netter war und von wo aus auch die Tour organisiert wurde. So hatten wir einen Tag lang Sightseeing durch Pelourinho und die angrenzenden Stadtteile, mit den vielen Kirchen (man sagt, es seien 365 in der Stadt, eine fuer jeden Tag des Jahres, in Wirklichkeit sind es etwas ueber 100, immer noch recht viele).

DSC_0290 DSC_0350 DSC_0315 DSC_0254 DSC_0256 DSC_0250

Abends zogen wir dann auf der Suche nach einem Restaurant durch die Strassen und trafen zufaellig einen Brasilianer und zwei Norwegerinnen wieder, die auch auf der Stadtfuehrung dabei gewesen waren. Sie luden uns direkt an ihren Tisch ein, so assen und tranken wir zusammen, obwohl wir eigentlich alle nur kurz vor die Tuer gehen wollten. Der Abend wurde laenger und um 12:00 bekam ich dann ein Staendchen, denn es war mein 33. Geburtstag! Wir beschlossen den Abend noch weiter gehen zu lassen und zogen in das Hostel der drei anderen um, wo noch reger Betrieb herschte. So hatten wir noch ein paar Caipirinha mehr und liessen den Abend in grosser Runde am Swimmingpool ausklingen. Der Brasilianer hatte keine Schlafgelegenheit fuer die Nacht und begleitete uns daher in unser Hostel, wo er dann auch herzlich aufgenommen wurde.

Am naechsten Morgen schliefen wir erstmal aus, schliesslich soll man sich an seinem Geburtstag ja nicht jetzen. Als ich erwachte, hatte Adela bereits eine Geburtstags-Gerlande aufgehaengt und die Kerzen auf einem kleinen Geburtstagskuchen angezuendet, wie suess! Wir gingen gemuetlich Fruehstuecken und machten uns dann zum Strand auf, da ich entschloss, ein Geburtstag ohne einen Sprung ins Meer sei kein richtiger Geburtstag. Abends trafen wir uns dann mit den Amerikanern wieder, um ein paar Drinks zu nehmen. Ausser der Tatsache, dass es Freitag Abend war, wurde in Salvador an diesem Wochenende der “gestreckte Sommer” gefeiert, eine Nachkarnevals-Veranstaltung. So waren ueberall Buehnen mit Live Musik aufgebaut, und bunt verkleidete Musik- und Tanzgruppen zogen durch die Stadt. Die Gruppe wuchs immer weiter an und wir zogen von Konzert zu Konzert weiter. Der kroenende Abschluss war ein grandioses Trommelkonzert, was eine unglaubliche Akkustik und gute Stimmung verbreitete, so dass wir alle bis zum Ende der Nacht tanzten und feierten.

DSC_0419

Nach der vielen Feierei liessen wir es die restlichen Tage dann wieder etwas ruhiger angehen. Meine Hoffnung, in mehrere Millionen Menschen grossen Stadt wie Salvador etwas Kameraequipment oder einen Ersatz fuer die gestohlene Schnappschusskamera zu bekommen, wurde leider jaeh zerschlagen. Selbst in grossen Einkaufszentren mit diversen Elektromaerkten war es unmoeglich, halbwegs brauchbares Fotoequipment zu bekommen. Die wenigen angebotenen Kameras hatten bei Amazon einen Neupreis von ca. 80 Euro, sollten hier aber fuer 250 Euro und aufwaerts an den Mann gebracht werden, absoluter Wucher. Auf meine Frage nach Filteraufsaetzen fuer meine Objektive erntete ich nur fragende Blicke und Achselzucken.

Vor der Weiterfahrt fuhren wir noch einen Tag auf die nahegelegene Insel Itaparica, wo die Straende etwas schoener waren, als die Stadtstraende von Salvador. Adela hatte sich vor der Bootsfahrt eine Womex Tablette eingeworfen, die sie leider derart ausgeknockte, dass sie den groessten Teil des Tages verschlief und den Strand kaum geniessen konnte. Abends ging es dann weiter zu unserer naechsten Etappe: Wir nahmen den Nachtbus nach Lencois in die Chapada Diamantina.

DSC_0249 DSC_0248 DSC_0247 DSC_0446 DSC_0239 DSC_0432 DSC_0285 DSC_0279 DSC_0276 DSC_0264 DSC_0256 DSC_0239 DSC_0255 DSC_0252-2 DSC_0372-2 DSC_0321 DSC_0357 DSC_0328 DSC_0315 DSC_0286 DSC_0289 DSC_0307-2 DSC_0314 DSC_0361