Pampas Tour – Rurrenabaque

Eine weitere Gegend, die wir in Bolivien erkunden wollten, war der im Norden gelegene Madidi Nationalpark, der in der tropischen Region, östlich der Anden liegt. Wir buchten die Tour von La Paz aus. Nachdem unser Flug aufgrund schlechter Wetterlage kurzfristig verschoben wurde, konnten wir dann doch los. Normalerweise fliegt der Anbieter Amaszonas mit kleinen Propeller Maschinen mit maximal 19 Personen. Wegen des Unwetters wurden wir in eine “große” Maschine mit 50 Sitzplätzen verfrachtet. Es war eine herrliche Aussicht. Innerhalb von 30 Minuten Flugzeit gelangten wir von Eis-bedeckten Bergkämmen in die flachen tropischen Regionen.

Die Landebahn war mitten im Dschungel, ausser der geteerten Strecke wies nichts auf Zivilisation hin. Wir wurden mit dem Bus zum “Flughafengebäude” gebracht, wirklich niedlich sah dieser aus.

pano-web

Wir wurden direkt in die Stadt gebracht und beim Hotel abgesetzt. Eine eher bescheidene Unterkunft, aber um eine Nacht dort zu bleiben, bevor die Tour los ging, genügte es. So ging es am nächsten Morgen nach einem minimalen Frühstück los.

Das erste Stück legten wir mit einem 4×4 Jeep zurück. Wir waren eine Truppe von 7 Personen, neben uns noch Engländer und Schweizer. Unterwegs lasen wir noch Katarina auf, eine Deutsche Medizinstudentin kurz vor dem Abschluss. Sie machte ihr Auslandssemester in Bolivien und lebte für den Moment in Rurrenabaque und war ausser mit unserem Guide leiert.

DSC_0583

Die Fahrt war ansonsten nicht übermässig spektakulär. Die Strasse nach Santa Rosa war einfach nur ein holperiger, wie die meisten Strassen in Bolivien. Wir assen zu Mittag, bevor es dann ins Boot ging. Ein langes Holzboot mit Aussenbordmotor sollte uns den Fluss herauf bringen. Wir hatten das meiste Gepäck in der Reiseagentur gelassen, so lagen wir leicht auf dem Wasser.

DSC_0127

Im Dschungel bedeutet Wasser Leben, die Tierwelt sammelte sich um den Fluss, da nach der Regenzeit die sumpfigen Gebiete immer weiter abnehmen, und der Fluss die einzige Wasserquelle ist. Wir sahen unzählige Vögel, die entweder hoch am Himmel nach Beute suchten, durch das Wasser starkten oder einfach ihr Gefieder in der Sonne trockneten.

DSC_0165

So hielten es auch die meisten Alligatoren, die überall am Flussufer herumlungerten. Sie hatten ihre Mäuler geöffnet, um die Sonne herein zu lassen. Nach Beute schienen sie nicht zu suchen, die gab es hier zur Genüge.

DSC_0200

Auch Wasserschilkdkröten sahen wir immer wieder, sich sonnend auf Baumstümpfen herumliegend.

DSC_0176

Und schließlich sahen wir noch die grössten und seltensten Vögel, die hierzulande herum fliegen. Sie hatten einen riesigen Hals, den sie offenbar aufblähen konnten. Der Name dieser Vögel ist mir leider entfallen.

DSC_0259

Die einzigen Säugetiere, die sich uns zeigten, waren eine Art Wasserratte, allerdings sehr gross für unser Verständnis von Ratten. Es waren wohl auch Raubtiere, wir haben sie häufig in der Nähe von Kaymanen und Alligatoren gesehen, sie schienen sich gegenseitig nicht unbedingt zu mögen.

DSC_0364

Das Geschrei, was wir später aus einem Gebüsch am Uferrand hörten, entpuppte sich als sehr aufgeschlossene Affenfamilie. Sie liessen sich gerne füttern, auf Streicheleinheiten reagierten sie allerdings allergisch.

DSC_0288 DSC_0280 DSC_0287

Im Camp angekommen bekamen richteten wir uns erstmal ein. Wir hatten die Luxus-Variante mit Privatzimmer gebucht, damit wir für die Tagestouren ausgeruht waren. Unser VIP-Zimmer war eine Holzhütte mit Reetdach, aber neben drei Einzelbetten war auch ein Doppelbett für uns hergerichtet worden. Ausserdem hatten wir ein eigenes “Badezimmer”, wenn man es so nennen darf. Naja, es war mehr Luxus, als wir erwartet hatten.

DSC_0516pano pano-2 pano-3

Zum Sonnenuntergang fuhren wir noch zu einem nahe gelegenen Ort. Die Luna Bar war eine Baracke mitten im Nirgendwo, in der man überteurete Kaltgetränke erwerben konnte. So genossen wir den Sonnenuntergang bei einem kühlen Bierchen, während in einer anderen Welt gerade Dortmund und Bayern das Championsleague Endspiel bestritten.

DSC_0771

Nach dem Abendessen legten wir uns schlafen, um für den nächsten Tag fit zu sein. Anfangs war die Geräuschkulisse etwas ungewohnt. Ein Vogel oder die Affenfamilie aus dem Baum neben unserer Hütte hatte wohl entschieden, sich in dieser Nacht eine Unterkunft auf unserem Dach einzurichten. Es kratzte, scharbte und zischte die Nacht über. Als wir dann allerdings endlich schlaf fanden, war dieser tief und fest, bis zum nächsten Morgen.

Anaconda Suche

Wir wachten entspannt gegen 07:30 auf. Nach dem Frühstück ging es direkt los, Anacondas suchen. Wir suchten uns jeder ein paar aus dem Gummistiefelhaufen heraus, in der Hoffnung, dass diese kein Loch hatten. Die meisten waren ziemlich mitgenommen.

DSC_0519

Der Guide drückte mir noch eine Machete in die Hand, ich entschied mich aber doch für die Kamera.

DSC_0419

So stiefelten wir los, in den nahegelegenen Sumpf. Bereits beim ersten Matschloch musste ich feststellen, dass meine Sichtprüfung wohl nicht ausreichend gewesen war. Kalter Schlamm und Wasser quoll in meinen linken Stiefel und umspülte meinen Fuss… Na super. Wir watschelten weiter durch den Sumpf, die Augen immer auf den Boden gerichtet, falls sich in irgendeinem Grasbüschel vielleicht eine Schlange versteckte. Aber ausser vielen Vögeln, Schmetterlingen, Grashüpfern und unmengen von Moskitos lief uns nichts über den Weg. Einmal dachten wir, eine Schlange gefunden zu haben, doch es war nur ein Aal. Ein anderes Mal raschelte etwas in einem Büschel vor mir. Falls es aber eine Schlange gewesen sein sollte, war sie zu schnell verschwunden, als dass wir sie hätten sichten können. Wir hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben, da hörten wir unseren Guide Louis rufen: “Snake! Snake!”. Er hatte wirklich eine Anaconda gefunden und mit seinem Stab, der am Ende lediglich eine kleine Gabelung hatte, eingefangen. Er hielt sie zur Demonstration in die Höhe, dass wir sie alle betrachten konnten, es war schon ein recht gewaltiges Tier, ich vermute um die 2 Meter Länge.

DSC_0480 DSC_0475 DSC_0492

Nachdem wir sie alle begutachtet hatten entliess er sie dann wieder in die Natur. Sie schlängelte sich noch ihren Weg durch unsere Gummistiefel gepanzerten Beine und verschwand dann im Schlamm, offenbar froh, mit heiler Haut davon gekommen zu sein. Das war schon ein sehr beeindruckendes Erlebnis! Dann gingen wir zurück in die Lodge, wo wir uns erstmal vom Dreck entledigten. Die kalte Dusche fühlte sich herrlich an. Dann hatten wir noch ein bisschen Zeit uns auszuruhen, und die Ereignisse zu reflektieren, während wir in der Hängematte herumbaumelten. Und mit uns ein kleines Baby.

DSC_0386

Am Nachmittag ging es noch einmal mit dem Boot los. Wir fuhren Flussaufwärts, um nach rosa Flussdelphinen zu suchen. Immer wieder bildete der Fluss kleine Binnensee-Artige Ausläufer, in denen sich die Delphine tummelten. Ich hatte schon auf der Hinfahrt mit ihnen gebadet, so liess ich jetzt den anderen den Vortritt und begnügte mich damit, die Szenen einzufangen. Leider waren die Delphine wirklich schnell, so dass es schwer war, sie vor die Linse zu bekommen, hier und da gelang es dennoch:

DSC_0171DSC_0206 DSC_0570 DSC_0628 DSC_0609

Sie schwammen um die Menschen herum, teilweise tauchten sie wirklich sehr neben uns auf, eine Meter entfernte Peter schienen sie besonders zu mögen, einer von ihnen spritzte ihn mit seiner Schwanzflosse nass. Es war immer ein aufregendes Erlebnis, wenn so ein grosses Wassertier direkt neben einem auftauchte. Delphine sind zwar in der Regel freundlich, es kam allerdings auch schon zu Unfällen, einige im Camp wurden von Delphinen gebissen.

DSC_0865

Das Schwimmen gehen an sich war ohnehin schon spannend, da überall am Flussufer Alligatoren und Kaymane herum lungerten. Die Guides hatten uns allerdings versichert, dass die meisten Raubtiere nachts Jagen und es ausserdem immer sicher sei, wenn Delphine im Wasser waren, da sie den Anfang der Nahrungskette bildeten und sich auch die Alligatoren nicht mit ihnen anlegen wollten. Das einzige gefährliche Tier hier war der schwarze Kayman, de bis zu 6 Meter lang werden konnte, wir sahen einen etwa 4 Meter langen, der sich jedoch glücklicherweise friedlich verhielt.

DSC_0532 DSC_0523 DSC_0567 DSC_0789 DSC_0313

Aber das Delphinschwimmen war zwar das Ziel unseres Ausflugs gewesen, aber uns sollte noch ein weiteres Highlight auf dieser Bootstour gegönnt werden. Zunächst sahen wir ein Faultier mit einem kleinen Baby oben in den Baumwipfeln herumhängen. Es war leider auf einem wirklich hohen Baum, so dass es auch mit einem Teleobjektiv nicht ohne weiteres einzufangen war.

DSC_0686-zoom

Und nachdem wir nun dachte, nun wirklich alle spannenden Tiere bereits gesehen zu haben, gab es doch wieder eine Überraschung. Das geschulte Ohr unseres Guides hatte die Vögel am Gezwitscher erkannt. Da waren tatsächlich zwei Papageien auf einem Baum, die einander zu trallerten. Wir beobachteten sie eine Weile, als wir dann den Motor wieder anwarfen wurden sie aufgeschreckt und flogen wie im Dschungel Buch über uns hinweg.

DSC_0722 DSC_0720 DSC_0719

Wir waren also wirklich in den Tropen!

Nach dem Abendessen machten wir noch mal eine Nachtsbootfahrt, um das Dschungel Leben in der Nacht zu beobachten. Anfangs war es noch sehr dunkel, der Mond war noch nicht aufgegangen. Wir sahen nur die Sterne am Himmel und nahmen die Geräusche um uns herum wahr. Es war eine ganz besondere Stimmung, so im Dunkeln auf dem Fluss zu treiben und eins mit der Wildniss zu werden.

Wir hatten Taschenlampen dabei, die wir dann später auch benutzten, um die Tiere zu entdecken. Die Augen aller Tiere reflektieren das Licht, so dass wir nach dem Einschalten der Lampen überall um uns herum, im Wasser, in den Bäumen, nur noch Augenpaare funkeln sahen. Der ganze Fluss war voll von Leben, auch in vollständiger Dunkelheit.

Nach etwa einer halben Stunde suchten wir uns einen ruhigen Ort, um den Mondaufgang zu beobachten, ein fast noch spektakuläreres Ereignis als ein Sonnenaufgang, wie ich finde. Gross und detailereich erhob er sich am Horizont über den Baumspitzen, zum greifen nahe, so kam es uns vor. Wir genossen die Stimmung noch ein wenig und fuhren dann zurück ins Camp, wo wir nach dem langen Tag müde ins Bett fielen. Auch in dieser Nacht war wieder viel Leben um unsere Hütte herum. Dem klang nach hatten sich eine gruppe grosser Vögel mit den grossen Wasserratten angelegt. Das Gebrüll beider spezies hielt mich noch einige Zeit wach, bis ich endlich schlaf fand.

Am morgen des dritten und letzten Tages der Tour gingen wir Angeln. Die Zielsetzung war klar: Wir wollten Piranhas fangen. Wir verbrachten etwa 1,5 Stunden mit unseren Angelleinen auf dem Boot. Das meisste, was wir aus dem Fluss holten, waren Katzenwelse, recht klein. Lediglich ein etwas grösserer biss uns an. Ich selbst holte auch einen aus dem Wasser, als ich ihn anfasste bekam ich allerdings seine ziemlich spitzen Stacheligen Flossen zu spüren. Glücklicherweise sind diese nicht giftig, so dass ich nach einer halben Stunde nichts mehr davon merkte.

Lynne gelang es tatsächlich, einen Piranha aus dem Wasser zu holen. Wir bestaunten seine Beisser, die zwar nicht gross aber doch recht scharf auf uns wirkten. Nachdem wir den Triumph über die Natur ausgiebig feierten entliessen wir alle Tiere wieder in ihr natürliches Lebensumfeld. Es lebe der Ecotourismus!

DSC_0814 DSC_0798 DSC_0796 DSC_0793 DSC_0807

Am Nachmittag machten wir uns dann wieder auf den Rückweg, mit Boot und Jeep. Wir verbrachten noch eine Nacht in Rurrenabaque, um auszuspannen. Abends gingen wir mit der Dschungel Truppe noch ein zünftiges Bier heben.

Der Rückflug am nächsten Morgen war eine spannende Angelegenheit. Während wir auf dem Hinflug wegen des schlechten Wetters in eine “grosse” Maschine mit 50 Plätzen verfrachtet wurden, sollte uns diesmal eine 18 Personen Propeller Maschine zurück nach La Paz bringen!

DSC_0964

Der Flug verlief zwar reibungslos, in einer so kleinen Maschine fühlte man sich allerdings schon wie ein Spatz in einem Orkan. Jede Windböe schien das Gleichgewicht des Luftschiffs bereits empfindlich zu stören. Adela wurde sogar ein bisschen übel, glücklicherweise war die Airline gut auf solche Fälle vorbereitet. Eigentlich wollten wir direkt weiter fahren, allerdings gab es mal wieder einen Proteste, wie so oft in Bolivien. Ausgerechnet die Bootsfahrer streikten, da man eine Brücke bauen wollte, was sie natürlich arbeitslos machen würde. So verbrachten wir doch noch eine Nacht in La Paz, bevor wir dann weiter reisen konnten. Nach Copacabana, an den legendären Titicaca See!

Und hier noch mal alle Bilder, dieses artenreichen Nationalparks Madidi:

DSC_0127DSC_0966DSC_0965 DSC_0964DSC_0950DSC_0946 DSC_0942DSC_0940DSC_0936 DSC_0915DSC_0914DSC_0910 DSC_0893DSC_0882DSC_0865 DSC_0863DSC_0861DSC_0856 DSC_0814DSC_0807DSC_0798 DSC_0796DSC_0793DSC_0789 DSC_0784DSC_0771DSC_0756 DSC_0751DSC_0742DSC_0731 DSC_0729DSC_0725DSC_0722 DSC_0720DSC_0719DSC_0717 DSC_0686DSC_0628DSC_0620 DSC_0609DSC_0594DSC_0584 DSC_0583DSC_0577DSC_0570 DSC_0567DSC_0548DSC_0533 DSC_0473DSC_0466DSC_0532 DSC_0525DSC_0523DSC_0522 DSC_0520DSC_0519DSC_0516 DSC_0508DSC_0499DSC_0492 DSC_0489DSC_0481DSC_0480 DSC_0475DSC_0470DSC_0467 DSC_0464DSC_0451DSC_0445 DSC_0441DSC_0437DSC_0432 DSC_0430DSC_0429DSC_0428 DSC_0419DSC_0410DSC_0386 DSC_0381DSC_0364DSC_0349 DSC_0346DSC_0343DSC_0342 DSC_0334DSC_0330DSC_0328 DSC_0323DSC_0319DSC_0313 DSC_0308DSC_0288DSC_0287 DSC_0284DSC_0280DSC_0277 DSC_0268DSC_0259DSC_0244 DSC_0234DSC_0230DSC_0224 DSC_0223DSC_0221DSC_0216 DSC_0206DSC_0203DSC_0202 DSC_0200DSC_0198DSC_0192 DSC_0188DSC_0176DSC_0171 DSC_0165DSC_0154DSC_0150 DSC_0149DSC_0147DSC_0144

La Paz – Bolivien hat uns wieder

Glücklich darüber, Chile – das Land, dass uns uns ausgeraubt hatte – endlich verlassen zu dürfen, setzten wir uns in den Flieger nach La Paz. Die Stadt liegt auf 3650m mittenin den Bergen, allerdings in einem kleinen Tal inmitten eines Hochplatteaus. Die Kulisse ist einmalig, vor allem vom Flugzeug aus betrachtet. Wir fuhren direkt zu unserer reservierten Unterkunft, nochmal wollten wir nicht unvorbereitet in eine Stadt kommen. Die Unterkunft war ok, erwies sich aber Nachts als recht kalt. Gelegen war sie in der Autostrasse, wie wir sie nannten.

Gut strukturiert

Die Innenstadt von La Paz ist nach einem interessanten Schema aufgebaut: Jede Strasse hat ihr eigenes Thema. Während in unserer Strasse lediglich Geschäfte zum Kaufen von Reifen und KFZ-Zubehör zu finden waren, gab es benachbarte Strassen, in denen es ausschliesslich Malereizubehör, Trekkingklamotten, Tour-Organisationen, Küchenausstattung oder Elektroartikel gab. In jeder Strasse waren nur Geschäfte einer bestimmten Fachrichtung, so wusste man immer wo man etwas findet.

Ein besonderer Strassenzug war der Hexenmarkt. Die Kultur Boliviens ist noch viel mit der Natur und deren Geisterwelt verbunden. Die Pachamama, die Mutter Erde, ist eine der wichtigsten Gott-Wesen, die hier verehrt werden. Auf dem Hexenmarkt gab es daher allerlei spirituelles Zubehör. Unser Favorit waren die Lama-Föten, die hier überall in den Läden von den Decken hängen. Sie werden beim Hausbau in jede Ecke des Fundaments eingemauert, als Opfer für die Pachamama. Dies soll Glück bringen und die Pachamama vielleicht über die eine oder andere Schlampigkeit bei der Arbeit hinweg sehen lassen, auf das die Mauern halten mögen. Und siehe da, bis auf die fehlende Aussenwandfabe sehen die bolivianischen Häuser gar nicht so übel aus.

DSC_0072 DSC_0070

Wir nutzten die meiste Zeit in La Paz, um unsere Bevorstehenden Touren nach Rurrenabaque und an den Titicaca See zu organisieren. Neben dem Buchen der Tour mussten wir hierfür noch einige Erledigungen machen, da uns ja ein grossteil unseres Trekking Equipments genommen wurde. So kauften wir zwei neue Tagesrucksäcke, eine Regenjacke für Adela und noch das eine oder andere Souvenir.

Nachdem ich mich auf der Osterinsel mit der Übergangskamera nicht wirklich anfreunden konnte, wollte ich ausserdem noch einmal nach Alternativen suchen. In Santiago war die Auswahl zwar gross gewesen, aber den doppelten Preis im Vergleich zu den europäischen Preisen war ich einfach nicht bereit zu bezahlen. So wagten Adela und ich uns noch einmal in die Technik-Strasse. Schnell wurden wir fündig, Kameras von bester Qualität, auch meine alte Kamera war hier zu finden. Ich zögerte noch, was ich tun sollte, als zwei deutsch sprechende Schweizerinnen ebenfalls in den Laden kamen und sich Kameras ansahen. Es stellte sich heraus, dass die beiden ebenfalls ausgeraubt wurden und sich ihre Kameras wieder besorgen wollten. Die eine von den beiden hatte ein Vorläufermodell der Kamera besessen, die ich in der Tasche hatte. So fragte ich sie zum Missmut des Ladenbesitzers, ob sie nicht meine drei Wochen Alte Kamera für einen guten Preis kaufen wollte, was sie freudig bejahte. Ich nahm es als Zeichen, verkaufte ihr also meine Kamera und kaufte mir meine alte mit noch etwas Zusatz-Equipment zu einem halbwegs fairen Preis zurück. Ich war glücklich! Jetzt war ich perfekt vorbereitet, um die vielfältige Tierwelt in Boliviens Dschungel abzulichten, denn es ging auf nach Rurrenabaque!

La Paz in Bildern

Mystische Monolithen – Die Moai auf der Osterinsel

Unser Flieger aus Santiago ging zeitig am Morgen, so waren wir bereits gegen Mittag auf der Osterinsel angekommen. Am Flughafen wurden wir bereits erwartet und mit frischen Blumen Ketten behängt, so hatten wir uns das vorgestellt! Auch das Klima war nach dem herbstlichen Santiago wieder etwas milder, auch wenn wir nicht gerade zur optimalen Saison angekommen waren. Eine warm feuchte Brise wehte uns entgegen, das war schon eher nach unserem Geschmack.

IMG_0084

Wir wurden direkt in unsere Unterkunft gebracht, die mit 60,- Euro pro Nacht für die Osterinsel geradezu ein Schnäppchen war. Die Unterkunft war sehr nett, ein bisschen abseits der Hauptstrasse, so dass wir auch dem damit verbundenen Lärm etwas entkamen. Nur Hähne krähten hier und dort mal, sonst war es sehr ruhig, genau das richtige. Das Zimmer war gross und hübsch hergerichtet, warmes Wasser gab es ebenfalls. Wir waren noch ziemlich erschöpft von der Reise und dem frühen Aufstehen, und legten uns deshalb erstmal aufs Ohr. Schliesslich hatten wir eine ganze Woche, um uns die Insel anzusehen.

pano-12

Abends gingen wir noch mal zum Essen raus, es gab kaum ein Restaurant, in dem man unter 20 Euro pro Gericht weg kam, die Insel ist wirklich teuer. Selbst imn Supermarkt zahlten wir für eine Flasche Wasser 3 Euro… Dann machten wir uns noch etwas schlau und planten wir grob, was wir in unserer Woche hier sehen wollten. Da wir auf ein Wochenende auf die Insel kamen, wollten wir uns die ersten Tage noch vom Nationalpark fernhalten, um den Wochenend-Touristen aus dem Weg zu gehen.

Am nächsten Morgen beim Frühstück trafen wir gleich einige Leute, die allerdings allesamt im Begriff waren zu gehen. Wir holten uns daher Tipps ab, was man hier auf jeden Fall sehen sollte und entschieden uns, für ein paar Tage ein Auto zu mieten. Wir machten uns also auf zum erst besten Autoverleih und handelten einen guten Preis aus. Dann kam es zur obligatorischen Frage: “Könnte ich bitte Ihren Führerschein sehen?”, als Adela und ich uns verdutzt ansahen. Das hatten wir ja total vergessen, die Führerscheine waren ja ebenfalls geklaut worden! Wir versuchten der Dame unsere Situation zu erklären, worauf sie sich noch einmal telefonisch mit ihrem Chef absprach, leider ohne Erfolg. Ohne einen Führerschein oder zu mindest eine Kopie konnte sie uns kein Auto verleihen…

Wir fluchten und sahen unser Schicksal bereits wie die Köpfe von Moai in den Stein gemeisselt: wir waren ans Ende der Welt auf die Onsterinsel gefahren, um einen Lebenstraum zu verwirklichen und konnten jetzt nicht in den Nationalpark fahren, weil unsere Führerscheine geklaut worden waren. Bitterer kann einen das Schicksal in dieser Situation wohl kaum treffen… Niedergeschlagen gingen wir in die Unterkunft zurück, um den Hotelbesitzer zu fragen, ob er nicht jemanden auf der Insel kenne, der uns da aus der Patsche helfen könnte. Als kurz vor dem Hotel waren, kam er gerade mit dem Auto die Strasse entlang gefahren und siehe da: Er hatte zwei Touristen im Schlepptau, die er gerade vom Flughafen abgeholt hatte. Wir ergriffen also direkt unsere Chance und sprachen die beiden an, erzählten ihnen von unserer Situation und fragen sie, wie sie die Osterinsel befahren wollten.

Die beiden französischsprachigen Schweizer David und Leo wollten ebenfalls etwas hier sehen und liessen sich beim gemeinsamen Mittagessen von unserer Idee begeistern. So ginen wir direkt zur Tour Agentur und mieteten zu viert ein Auto für ein paar Tage. So war der ohnehin schon gute Preis zu viert auch nur noch halb so teuer, perfekt!

Da wir das Auto erst für den kommenden Tag gebucht hatten machten wir am angebrochenen Nachmittag noch einen Spaziergang. Wir gingen den Ort nach Norden heraus, an der Küste entlang. Hier erwarteten uns direkt die ersten Steinköpfe aus einer längst vergessenen Zeit. Mystisch ragten sie vor den Klippen auf, mit dem Rücken zum Meer gekehrt. Zur Nebensaison verirren sich nur wenige Touristen auf diese Insel, so schien es uns, so hatten wir die steinernen Ureinwohner weitestgehend für uns allein. Auch wenn es wolkig und windig war, irgendwie herrschte eine spezielle Athmosphäre. So verweilten wir, ruhten ein wenig mit den Moai und liessen die Stimmung, das Rauschen der Brandung auf uns wirken.

IMG_0970 IMG_0968 IMG_0130 IMG_0770

Inselerkundung

David stellte sich als herausragender Reiseleiter heraus. Er hatte für uns eine 3-tages-Route zusammengestellt, die sich als ausgezeichnet erwies. Am ersten Tag liessen wir es ruhig angehen. Wir besuchten erstmal die weniger spannenden Statuen auf der Insel. Es gibt sie überall auf der Insel, die meisten von ihnen wurden jedoch im Laufe der Zeit umgestossen und liegen nach wie vor auf dem Boden. Der Grund hierfür ist kein einfacher Wandalismus, sondern Stammesrivalitäten. Es hatte offenbar Stammeskriege auf der Insel gegeben, so wurden die Statuen der anderen Stämme als Zeichen der Machtdemonstration umgeworfen. Wir besuchten daher zunächst diese Plätze, was schon sehr beeindruckend war.

IMG_0288IMG_0244pano-4pano-2

Ausserdem sahen wir die einzigen Moai, die sich nicht am Rand der Insel befanden. Normalerweise stehen die Moai direkt an der Küste, mit dem Rücken zum Meer. Eine einzige Gruppe der Köpfe steht im Landesinneren und blickt auf das Meer, der Grund hierfür ist bis heute ein Rätsel.

IMG_0358 pano IMG_0186

Dann sahen wir uns noch die Hutfabrik an. Einige der Moai haben Hüte auf, die im Gegensatz zu den schwazen Statuen aus einem tötlichen Stein gehauen sind. Dieses rote Gestein gibt es nur an einem Ort auf der Insel, von dort aus wurde es zu den anderen Plätzen befördert. Die runden Hüte waren dabei wohl noch das geringste Problem, diese liessen sich rollen. Wie die Statuen allerdings über die Insel transportiert wurden ist bis heute ebefalls nicht eindeutig gelüftet. Eine Kultur voller Mysterien.

Am zweiten Tag sahen wir uns den Norden der Insel an. Am beeindruckendsten war Anakena-Beach, der einzige Strand der Insel. Die sonst grün bewachsene und feuchte Insel hatte im Norden auf einmal Sanddünen und Palmen und erinnerte mehr an eine Wüste. Auch hier standen einige sehr gut erhaltene Moai Köpfe und rundeten die ohnehin schon beeindruckende Kulisse ab. Wir sonnten uns hier ein wenig und badeten in dem ziemlich kalten Pazifik.

IMG_0411pano-6 pano-5 IMG_0383 IMG_0341

Am Nachmittag wanderten wir noch auf den höchsten Vulkan der Insel hinauf. Es war ein etwa 1,5 Stündiger Weg hinauf zur Spitze. Wir spazierten an Wäldern und Wiesen vorbei und hatten einen tollen Blick über die Insel. Leider war es insgesamt sehr bewölkt, lediglich hier und dort schimmerte ein bisschen Sonne durch die Wolkendecke hindurch und reflektierte glitzernd auf dem Meer.

Am dritten Tag standen dann die Highlights auf dem Programm. Wir fuhren zum Sonnenaufgang zur längsten und am besten erhaltenen Reihe von Moai. Es waren insgesamt bestimmt 15 Statuen nebeneinander, hinter ihnen ging langsam die Sonne auf und erleuchtete den sonst düster-grauen Himmel mit einem schimmernden und leuchtenden Rot. Eine sehr beeindruckende Szenerie, die wir bestimmt eine Stunde lang genossen.

IMG_0575IMG_0763 IMG_0617 IMG_0555 IMG_0493

Danach fuhren wir pünktlich zum Einlass in den ersten offiziellen Teil des Nationalparks. Hier war der Vulkan, aus dessen Stein die Köpfe geschlagen wurden. Wir hatten das Privileg, als erste eingelassen zu werden. Wir hatten etwa eine halbe Stunde, bevor die Horden von Touristen in Unmengen von Bussen herangekarrt wurden. Die Zeit reichte aus, um einmal um den Steinschlag herum zu laufen und uns alles in Ruhe anzusehen. Es stehen hier noch etwa 150 Moai herum, die ihr Ziel nie erreicht haben. Einige der Statuen wurden ausgebuddelt. Hierbei hatte man festgestellt, dass die Statuen nicht nur aus Köpfen und Oberkörpern bestehen, sondern einschliesslich der Beine modelliert wurden. Diese Monolithen aus nächster Nähe zu betrachten ist schon etwas besonderes. Einige waren auch noch unfertig und schienen noch im Fels zu ruhen. Hier war das gesamte Ausmass der Grösse am besten zu sehen, sie waren riesig.

IMG_0755 IMG_0735 IMG_0685 IMG_0681 IMG_0632

Danach fuhren wir noch einmal zum Anakena Strand, um Mittag zu essen und noch die Sonne zu geniessen. Gesehen hatten wir für den Tag genug Highlights.

Am vierten Tag hatten wir kein Auto mehr und gingen deshalb in den zweiten offiziellen Teil des Nationalparks. Dieser war nah an der Stadt gelegen und zu fuss erreichbar. Wir wanderten etwa 1,5 Stunden vom Dorf aus bis auf die Vulkanspitze. Adela und ich entschieden uns, den Kraterrand komplett abzuwandern, wir wurden mit einer tollen Aussicht belohnt. Das Ende des Kraters war an der Südspitze der Insel, vor uns lag nur noch das weite offene Meer, viele Tausend Kilometer bis zum Festland, egal in welcher Richtung. Hier wurde uns so richtig bewusst, dass wir mitten im Nirgendwo waren.

IMG_0887 IMG_0877 IMG_0812 IMG_0787

Zum Abschluss sahen wir uns dann noch das Dorf an, was die Inselbewohner in einer späteren Entwicklungsphase im 17. Jahrhundert für Zeremonien erbaut hatten. Während dieser Zeit wurden schon keine Moai Statuen mehr gebaut (diese sind von ca. 500-800 bis 1700 n. Chr gehauen worden). Statt dessen wurden Make Make, dem Gott des Frühlings, Tänze vorgeführt, um den jeweils herrschenden Clan für das kommende Jahr zu bestimmen. Die Kunst veränderte sich zu Steinschnitzereien und Wandgemälden. So hatten wir auch die letzte Kultstätte der Insel besucht.

IMG_0900 IMG_0912 IMG_0914 IMG_0908

Den Rest unserer Zeit nutzten wir, um ein paar Souvenirs zu besorgen, tranken guten, wenn auch völlig überteuerten Kaffee und assen Lemon-Pie. An den frühen Abenden gingen wir zu den nah gelegenen Moai Statuen, um die Sonnenuntergänge zu geniessen. An unserem letzten Abend besuchten wir noch eine der angebotenen Tanz- und Musik-Shows. Offenbar waren die Tänze zu Ehren von Make Make immer noch Bestandteil der Inselkultur. Anstelle der Vorherrschaft der Familien-Klans ging es allerdings heute eher darum, den Publikumssaal zu füllen.

IMG_1041 IMG_1040 IMG_1032IMG_1045

So liessen wir das Erlebnis Osterinsel ausklingen. Es war wirklich eine ganz besondere Zeit.

pano-13 pano-11 pano-10 pano-9 pano-8 pano-7