Sightseeing in Rio: Christo – Santa Theresa – Zuckerhut

Die folgenden Tage hatten wir leider etwas Pech mit dem Wetter. Oft regnete es, so dass sich unser Tagesprogramm meist auf Shoppen, Essengehen, Aquajogging mit Caro, abends mal mit Denise und Fabio einen Drink nehmen und den Amerikanern bei einer Jam-Session id der BipBip Bar zuhören beschränkte. Wir dachten schon, Rio verlassen zu müssen, ohne den Christo oder den Zuckerhut gesehen zu haben, doch das Glück meinte es gut mit uns. Nach einer Woche grauen Himmels kündigte der Wetterbericht bereits am Vorabend an, dass es noch einmal richtig sonnig werden sollte. Wir fackelten also nicht lange und stellten eine mutige Planung auf: Morgens auf den Cocovado zum Christo fahren, danach nach Santa Theresa fahren und die Escadaria Selaron zu sehen und danach noch auf den Zuckerhut fahren. Ein optimistisches Ziel, ursprünglich sollte jedes der drei Ziele ein Tagestrip werden!

Der Tag begann wie versprochen sonnig. Wir machten uns zeitig auf und versuchten, den einzigen Bus zu nehmen, der direkt zur Bodenstation des Cocovado fährt. Wir warteten etwa 20 Minuten vergeblich, bis wir ein brasilianisches Paar ansprachen, die offenbar auf den selben Bus zu warten schienen. So teilten wir uns ein Taxi und kamen schnell bei der Talstation an. Hier offenbarte sich uns ein Menschen-Chaos! Konnten wir wirklich so naiv gewesen sein zu denken, dass nicht JEDER TOURIST IN RIO DE JANEIRO AN DIESEM ERSTEN SONNIGEN TAG NACH EINER WOCHE REGEN ZUR CHRISTUS STATUE HOCH WILL??? Diverse Schlangen zu, für uns zunächst undurchsichtigen Zielen wanden sich die Strassen entlang. Wie wir erfuhren gibt es verschiedene Möglichkeiten, auf den Berg zu gelangen: Mit kleinen Taxis, mit etwas grösseren Shuttle-Bussen und mit der Seilbahn, für die wir uns aufgrund des Panoramas entschieden hatten. Wir stellten uns also in die mehrere hundert Meter lange Schlange an, die aber trotzdessen recht schnell voran ging. Nach etwa 30-40 Minuten, gegen 10:45 Uhr waren wir in Sichtweite des Schalters, wo wir schockert die Leuchtschrift erblickten: “Next Train at 13:20″!!! Wie bitte?!? Wie wir später erfuhren macht die Seilbahn zwischen 11:00 und 13:00 Uhr Mittagspause, ohne Worte… Da wir keine 2,5 Stunden herum sitzen wollten, stellte ich mich zunächst in der Shuttle-Bus Schlange an, während Adela nach weiteren Alternativen suchte. Kurz danach kam sie zurück und zog mich aus der Schlange: “Schnell, schnell, sonst fahren sie ohne uns los!”. Wir hechteten zu einem der kleinen Privattaxen, das uns dann auch direkt den Berg hoch fuhr, und das zum halben Preis der Seilbahn. “Was sind wir doch für Füchse”, bauchpinselten wir uns gegenseitig, bis wir an der nächsten Parkstation ankamen, wo uns der Taxifahrer bedeutete auszusteigen, um uns an der nächsten Schlange anzustellen. Wir hatten gerade die Hälfte des Weges zur Christusstatue zurück gelegt, weiter dürfen PKW nicht mehr den Berg hinauf. Wieder warteten zwei Schlangen auf uns, eine für die Tickets, die andere für den Bus nach oben. Adela schaltete schnell, so stellten wir uns parallel an und sparten die Hälfte der Wartezeit ein. Insgesamt verbrachten wir aber mit Sicherheit weitere 45 Minuten mit Warten… So waren wir gegen etwa 12:30 oben bei der Christus Statue, immer noch deutlich schneller, als hätten wir auf die Seilbahn gewartet. Ich möchte sogar die Theorie aufstellen, dass es an diesem Tag niemand schneller nach oben geschafft hat, als wir. Na gut, vielleicht die ersten, die direkt bei der Eröffnung am Eingang gewartet haben. Aber in jedem Fall: Das Warten hatte sich gelohnt!

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Der Ausblick von dem Cocovado auf die Stadt ist wirklich unglaublich. Es wäre ein Jammer gewesen, hätten wir zwischenzeitlich auf unseren Missmut gehört und wären umgekehrt, wozu wir durchaus in Versuchung gewesen waren. Trotz der Menschenmassen, die natürlich auch hier oben wieder versammelt waren, war es ein einmaliges Erlebnis! Der Ausblick zu allen Seiten, die vielen kleinen Inseln im Mehr, die Berge rings herum, die Stadt, die mitten in diese Landschaft hineingebaut wurde, so etwas gibt es kein zweites Mal auf der Welt! Da störten die ringsherum auf dem Boden liegenden Touristen nur wenig ;-)

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Wir genossen den Ausblick und die Athmosphäre in vollen Zügen und posten füreinander vor diversen Kulissen, bevor wir uns wieder an den Abstieg machten. Die Anstrengungen hatten sich in jedem Fall gelohnt! Auf dem Rückweg liessen wir uns vom Taxifahrer auf halber Strecke rauslassen, um den Bus nach Santa Theresa zu nehmen, einem Künslter Viertel am Hang des Cocovado, dass am Fuss des Berges im Ausgehstadtteil Lapa endet. Wir kamen etwas runter von dem Troubel und tranken einen guten Latte Macchiato, der in Brasilien gar nicht so leicht zu bekommen ist. Das berühmte Cablecar, eine alte Strassenbahn, war leider seit kurzem ausser Betrieb, da es einen Unfall mit Todesfolge gegeben hatte. So liefen wir zu Fuss durch die gepflasterten, sich den Berg herab windenden Strassen, wo es überall viel zu sehen gab.

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Neben der Strassenkunst sahen wir uns noch den Parque das Ruinas an. Die einzige Ruine, die es hier zu sehen gab, ist ein altes Herren- (oder besser Damen-) Haus. Abends ist es wohl auch ein Veranstaltungsort mit Bühne, tagsüber Park, Museum und grossartiger Aussichtspunkt. Vom Dachgiebel aus liess sich die Stadt in alle Richtungen überblicken, ein herrliches Panorama.

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Dann machten wir uns weiter auf den Weg bergab, zur Escadaria Selaron. Aufgrund einer Empfehlung begingen wir die Treppe untypischer Weise von oben. Hier ist zunächst nichts weiter zu sehen. erst auf der ersten Zwischenplattform drehten wir uns um, und sahen das Kunstwerk in voller Pracht.

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Innerhalb von etwa 15 Jahren wurde diese Treppe vom kürzlich verstorbenen Künslter Selaron (hier auf seiner eigenen Treppe zu sehen)

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geschaffen, indem er sie mit Fliesen aus der ganzen Welt verzierte. Tatsächlich sahen wir uns jede Fliese einzeln an, denn natürlich suchten wir nach ein paar ganz speziellen, und wir wurden fündig:

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Nachdem wir uns an der Vielfalt aus aller Welt satt gesehen hatten nahmen wir ein Taxi, um noch rechtzeitig am Zuckerhut zu sein. Auch dort erwartete uns trotz fortgeschrittener Stunde eine lange Schlange bei der Seilbahn. Wir beschlossen trotzdem, jetzt nicht kurz vor dem Ziel aufzugeben und reihten uns ein. Wieder eine gute Dreiviertelstunde später standen wir in der Seilbahn auf den ersten Berg, vor dem Zuckerhut. Bereits hier präsentierte sich uns eine tolle Sicht auf die Stadt. Da es jedoch bereits dämmerte beschlossen wir schnell zur nächsten Seilbahnstation zu gehen, um das finale Ziel noch vor der Dunkelheit zu erreichen. Der sich uns hier bietende Anblickzug uns fast die Schuhe aus: Die Menschen bildeten eine durchgehende Schlange bis zum Ausgang der ersten Seilbahnstation, bei der wir angekommen waren… So vergingen weitere 45 Minuten, bis wir es endlich auf den Pao de Azucar schafften. Oben angekommen war es tatsächlich schon fast vollständig dunkel. Abgesehen von den deutlich kühler werdenden Temperaturen tat es der Kulisse sonst keinen Abbruch. Im Gegenteil, vielleicht entfaltet die Stadt erst bei Dunkelheit ihre vollständige Schönheit:

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So gelang uns das unmögliche! Wir meisterten alle Sightseeing Spots, die wir für eine Woche geplant hatten, an einem einzigen Tag, und das noch ausgerechnet an dem Tag, dem einen Tag mit sonnigem Wetter nach einer Woche Regen, dem einen Tag, an dem die halbe Stadt das gleiche vor hat.

We did it! And we did it without stress!

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Geburtstag in Rio

Nachdem wir uns mit unserer Unterkunft halbwegs arrangiert hatten, verabredeten wir uns auf ein Blind-Date mit Caroline. Caro lebt zusammen mit ihrem Mann Bruno seit einigen Jahren in Rio und hatte angeboten, uns den Kulturschock etwas zu erleichtern und uns einen Einstieg in die grosse Stadt zu geben. Ich selbst hatte Caro nur einmal vor vielen Jahren gesehen und kannte sie quasi nicht, Adela hatte sie noch nie gesehen. Ein früherer Arbeitskollege hatte den Kontakt hergestellt, als er gehört hatte, dass wir nach Rio fahren (noch mal danke Wolle für das Arrangement!).

Wir trafen uns bei einem Falafel-Laden und lernten uns ersteinmal ein bisschen kennen. Caro war super aufgeschlossen und gab uns direkt viele wichtige Infos, um uns in Rio zurecht zu finden. Auch unsere Wäsche dankte es ihr, nach knapp 3 Monaten das erste mal wieder von einer Maschine mit warmem Wasser durchgeschleudert zu werden, eine Wohltat – Danke Caro!!!

Mit dem Stadtteil Botafogo, in dem auch Caro lebte, hatten wir es ebenfalls optimal getroffen. Zwar kein direkter Strandzugang, dafür absolut zentral gelegen, so dass man in 10 Minuten an der Copacabana oder in 20 in Ipanema ist, ins Zentrum nur wenig länger, das Ausgehviertel Lapa ist in 15 Minuten zu erreichen, sowohl der Zuckerhut als auch der Cocovado in Sichtweite, perfekt! Auch sonst war es ein lebhafter Stadtteil mit guten Restaurants und Shoppingmalls. So nutzten wir die Gelegenheit der Grossstadt und schafften noch ein paar technische Dinge an, auf die speziell ich schon lange gewartet hatte. :D

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Schliesslich rückte auch Adelas Geburtstag immer näher. Dazu kam noch, dass Denise – die Schweizerin, die wir zu letzt in Itacare gesehen hatten – ebenfalls für das Wochenende in Rio sein würde und zudem auch noch am Tag vor Adela Geburtstag hatte, sie am Freitag, Adela am Samstag. Auch die Amerikaner sollten in dieser Zeit eintreffen, so dass wieder ein kleines Trüppchen zusammenkommen sollte. Wir verbrachten den Freitag mit Denise und noch einigen anderen Bekannten aus ihrem Hostel, am Strand von Ipanema, da das Wetter ganz ausgezeichnet war. Ein entspannter Tag am Strand, vorerst wohl der letzte, wie wir bereits wussten. So genossen wir ihn in vollen Zügen.

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Abends trafen wir uns dann alle in Lapa, dem Ausgehviertel Rios. Es hatte sich eine wirklich grosse Runde versammelt: Denise und ihr Schweiz-Italienischer bekannter Fabio, die vier AmerikanerInnen Sean, Keagan, Graham und Ali, Caro und Bruno, dazu Tiago, ein Brasilianer aus dem Hostel mit noch einigen Freunden. Wir besorgten uns ein paar Caipirinhas sowie andere Weggetränke und stürzten uns in die belebten Strassen. Die Clubs hier waren allesamt recht teuer, unter 20 Euro war kein reinkommen. Dazu kam noch, dass die Schlangen immens lang waren, teilweise mehrere Strassenzüge lang! Nachdem wir bis 0:00 :Uhr kein adäquates Plätschen gefunden hatten feierten wir also auf der Strasse in Adelas Geburtstag hinein, die amerikanische Akapella-Band perfomte dazu eine Samba-Happy-Birthday Variante. Schliesslich landeten wir doch noch in einem der Clubs, nachdem wir für unsere grosse Gruppe einen fairen Preis raushandeln und vor allem die Türsteher davon überzeugen konnten, uns auch ohne Kreditkarte und Ausweis hineinzulassen, wie es eigentlich hier üblich ist. So tanzten und feierten wir die Nacht durch, bis in die frühen Morgenstunden, und nahmen schliesslich ein Taxi nach Hause.

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Am Samstag liessen wir es dann ruhiger angehen. Wir trafen uns noch mal mit Caro und Bruno zum (Nach-)Mittagessen, das von einer phantastischen Karamel-Krokant-Torte gekrönt wurde. Anschliessend machten wir gemeinsam noch einen Spaziergang, die beiden zeigten uns einen Wanderweg, der um den Zuckerhut herum führt. Ein paar Angler, Spaziergänger und tatsächlich Kletterer trafen wir hier, die mit Seilen und Haken den Zuckerhut (oder genau genommen den Vor-Zuckerhut) erklommen. Dazu kamen noch ein paar kleine Äffchen, perfekt ist das Nachmittags-Idyll!

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Anschliessend zeigten uns die beiden noch einen spannenden Spot im Stadtteil Urca, der Halbinsel auf der auch der Zuckerhut steht. Hier gibt es ein längeres Stückchen Flanier-Promenade am Wasser, wo sich Abends die jungen Leute treffen. Spannend daran ist es, dass es auf dem ganzen Stück eigentlich nichts besonderes zu erleben gibt, es gibt nur wenige Restaurants oder Bars, keinen Strand, lediglich hier und da eine Imbissbude, bei der man Bier und Pastels (eine frittierte Teigspezialität) bekommt. Also kaufen die vielen Menschen sich Pastels und Bier und lehnen sich auf der gegenüberliegenden Seite an die Begrenzungsmauer, schnacken und geniessen die Aussicht auf das Stadtzentrum und den davorliegenden Jachthafen. Auf unsere Frage hin, warum all diese Leute gerade HIER herkommen, wo es doch so viele Plätze in dieser Stadt gibt, klärte und Bruno auf: Früher gab es hier einmal ein paar mehr Verkäufer und auch oft Live-Musik. Aber die Anwohner haben sich über die Musik beschwert, deshalb musste das eingestellt werden. Jetzt gibt es keine Musik, aber die Leute kommen trotzdem noch hier her. :D So taten wir es ihnen gleich, lehnten uns bei einem kühlen Getränk an die Mauer und genossen die nächtliche Aussicht auf die Stadt.

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über Salvador nach Rio de Janeiro

Unser Flieger nach Rio ging von Salvador aus. Wir fuhren also von Barra Grande aus morgens mit dem Boot los, um wieder nach Camamu zu gelangen. Dort nahmen wir den Bus, der uns nach Norden brachte, auf die Insel Itaparica, auf der wir bereits gewesen waren und die sich jetzt ebenfalls als Halbinsel herausstellte. Von dort aus nahmen wir die Fähre nach Salvador, noch mal ca. eine Stunde Überfahrt. Wir fuhren zurück in unser altes Hostel in Pelorinho, wo wir einen guten Preis aushandelten, schliesslich blieben wir ja auch nur für 8 Stunden. Wir gingen noch mal vor die Tür, und liessen uns ein letztes Mal vom bunten Treiben auf den belebten Strassen mitreissen. An Vor der Olodum Schule lauschten wir einer Trommelgruppe, die mit treibenden Schlägen die Menge in ihren Bann zog. Wir versuchten uns noch ein wenig im Dorm schlafen zu legen, was allerdings kaum Möglich war. Als um 02:45 der Wecker klingelte, war ich glaube ich zwischenzeitlich mal für 15 Minuten eingeschlafen, aber nicht wirklich ausgeruht. Im Halbschlaf packten wir also unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg zum Flughafen. Wir hatten einem Taxifahrer bescheidgesagt, der uns auch wie besprochen vor der Tür erwartete. Am Flughafen angekommen wollten wir die Buchungsnummer raussuchen, als ich feststellen musste, dass ich mein Telefon nicht dabei hatte, in dem alle Daten gespeichert waren! Ich musste es im Hostel vergessen haben. Da wir aufgrund von Adelas grosszügigen Planungsspielraum recht zeitig dort waren, nahm ich alleine ein Taxi zum Hostel zurück, während sie am Termianl wartete, um ggf. Den Flieger aufhalten zu können.

Im Hostel angekommen bestand die nächste Hürde darin, die Belegschaft wach zu bekommen. Wegen der vielen Obdachlosen und Kriminellen auf der Strasse wurde im Hostel nachts die Klingel ausgeschaltet, damit man halbwegs ruhig schlafen konnte. Ich musste mich also lauthals mit Klopfen, Pfeifen und Schreien bemerkbar machen, bis mir nach ein paar Minuten endlich jemand verschlafen die Tür öffnete. Ich versuchte dem Argentinier meine Handlung in brüchigem Portuñol zu erklären. Spätestens nachdem ich mein Handy im zerwühlten Bettlaken fand, verstand er worum es mir ging. Ich sprintete also schnell zum noch wartenden Taxi herunter und fuhr wieder zurück zum Flughafen, wo ich auch gerade noch rechtzeitig zum Check-In kam. Nach einem kurzem, aber turbulenten Flug landeten wir noch in Belo Horizonte zwischen, wo ich mich kaum noch wach halten konnte. Gegen 08:00 Uhr waren wir dann endlich am Flughafen in Rio de Janeiro!

Wir nahmen die blaue Buslinie in die Stadt, wie uns auf der Hostelseite empfohlen wurde. Nach etwa einer weiteren Stunde durch Rios Verkehr zur Rushhour kamen wir in endlich Botafogo an, wo unser “Rio Nature Hostel” war. Wir liefen das letzte Stück vom Bus und schleppten uns den Abhang in den Dschungel hoch. Keuchend vom Aufstieg liessen wir an der Rezeption unsere Rucksäcke zu Boden fallen. Da unser Zimmer in der Frühe noch nicht bezugsfertig war, wurden wir erstmal zum Frühstück geschickt.

Der Frühstücksraum/-Balkon war eine sehr spezielle Angelegenheit, wie auch der Rest des Hostels. Das Hostel war in einen Berg hinein gebaut und bestand in erster Linie aus Treppen. Wir lebten im unseren Bereich, offenbar der Neubau. Anstelle von Mauern wurden dort auf einem grösseren Areal Rigips Wände hochgezogen, um einzelne Räume zu mindest durch Sichtschutz voneinander abzugrenzen. Darin waren eine verzogene Holztür und ein Plastik-Schiebefenster eingesetzt. Die Gardinenstange kam uns nach ein paar Stunden entgegen, wurde dann aber nach einigen Tagen und 5-fachem Nachfragen endlich “repariert” (die nächst dickere Schraube drehte der Handwerker mit einem Akkubohrer so lange in die Wand, bis sie bestimmt schon einhundert Mal durchgedreht hatte. Am Ende drückte er sie zum Abschluss noch mal mit all seiner rohen Gewalt gegen die Wand, grinste uns zufrieden an und sagte: “So! Das dürfte erst mal halten!” und grinste stolz und zufrieden. Naja, für die Zeit, die wir hier noch verbringen könnte sie halten, wir dachten uns, was sie glücklicherweise auch tat). Zur Sicherung der Holzdecke vor Regen war ein Wellblech über den Zimmern angebracht. Da aber auch die Konstrukteure sich der Wetterbeständigkeit des Daches offenbar selbst auch nicht sicher waren, war zusätzlich ein riesiges Wellblech Dach über dem gesamten Wohnkomplex auf grossen Stahlträgern errichtet worden, dass dem Hostel den Charm einer Lagerhalle verlieh.

Im Nachbargebäude befand sich die Rezeption, sowie eine Küche und die Badezimmer, die jeweils mal über verschiedene Treppen, Gänge und Stufen erreichte. Die Badezimmer der Männer waren, abgesehen vom Geruch (ein Fäkaliengemisch, kombiniert mit Spülmittel und Zigarettenrauch), der Sauberkeit (trotz täglichem Putzdienst war es eigentlich immer dreckig) und des nicht funktionierenden warmen Wassers eigentlich annehmbar. Bei den Damentoiletten war die Benutzung hingegen ein Glücksspiel. Das warme Wasser konnte funktionieren oder eben auch nicht, gelegentlich war eine Dusche, Toilette oder Waschbecken morgens einfach mal aufgemeisselt wortden, so dass man von einem offenen Loch erwartet wurde. Der Bauschutt war liebevoll in der letzten funktionierenden Dusche drappiert worden, so dass eine Körperpflege oder andere Bedürfnisse einfach nicht zur Option standen. Nunja, wir wollen nicht lügen, natürlich bot das “Rio Nature Hostel” uns Alternativen an: Wenn man das zweite Gebäude verliess und eine Treppe durch den Dschungel weiter den Berg hinauf nahm, erreichte man nach einiger Zeit ein weiteres Gebäude, das ebenfalls noch zum Hostel gehörte.

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Hier waren ebenfalls ein paar Zimmer und dieses Gebäude war zudem aus Stein und Holz gebnaut. Hier waren auch noch ein paar sanitäre Anlagen, die man benutzten konnte, sich allerdings zum Zähneputzen morgens und abends den Berg rauf und runter zu quälen war nicht unbedingt, wonach uns – vor allem meiner lieben Adela – der Sinn stand…

In dem oberen Gebäude befand sich ausserdem noch der zuvor angesprochene Frühstücksraum/-Balkon, zu dem ich als letztes kommen möchte. Hier versammelten sich jeden Morgen die Eco-Backpacker Rios zum gemeinsamen Essen-Fassen, einen anderen Ausdruck könnte ich dafür nicht verwenden. Es war ein langgezogener Balkon, als Sitzgelegenheit diente eine lange Bank entlang des Geländers und ausserdem ein Bett mit einer ranzigen, alten Matratze. Es war ein Tisch aufgestellt, auf dem mehr oder weniger liebevoll Wurst und Käse, Brötchen und etwas Obst arrangiert war. Essen konnte man allerdings erst, wenn man sich zuvor etwas benutztes Geschirr von jemandem besorgt und dies abgewaschen hatte. Im Anschluss verlangte das faule Personal teilweise doch tatsächlich noch, dass man das Geschirr auch hinterher noch abwasche, damit sie weniger Arbeit hätten. Auf diese Anfrage hin sagte ich ihnen ziemlich deutlich meine Meinung, worauf sie uns auch ohne Abwaschen gewähren liessen.

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Um aber schlussendlich auch noch etwas gutes über das Hostel zu verlieren: Ein sehr nettes Feature war es, dass zum Frühstück regelmässig tierischer Besuch einkehrte. Über einige Äste der umliegenden Bäume hangelten sich kleine Weissbüscheläffchen auf den Balkon und liessen sich von uns mit Bananen füttern. Das war wirklich ein schönes Erlebnis am Morgen. Ausserdem konnte man vom Balkon aus durch den Uhrwald auf die Stadt herab und auch bis zum Christo auf dem Cocovado sehen. Das war schon ein netter Ausblick. Ausserdem gab es beim Hostel noch eine Kletterhalle, die Adela besonders gefiel.

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