Mystische Monolithen – Die Moai auf der Osterinsel

Unser Flieger aus Santiago ging zeitig am Morgen, so waren wir bereits gegen Mittag auf der Osterinsel angekommen. Am Flughafen wurden wir bereits erwartet und mit frischen Blumen Ketten behängt, so hatten wir uns das vorgestellt! Auch das Klima war nach dem herbstlichen Santiago wieder etwas milder, auch wenn wir nicht gerade zur optimalen Saison angekommen waren. Eine warm feuchte Brise wehte uns entgegen, das war schon eher nach unserem Geschmack.

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Wir wurden direkt in unsere Unterkunft gebracht, die mit 60,- Euro pro Nacht für die Osterinsel geradezu ein Schnäppchen war. Die Unterkunft war sehr nett, ein bisschen abseits der Hauptstrasse, so dass wir auch dem damit verbundenen Lärm etwas entkamen. Nur Hähne krähten hier und dort mal, sonst war es sehr ruhig, genau das richtige. Das Zimmer war gross und hübsch hergerichtet, warmes Wasser gab es ebenfalls. Wir waren noch ziemlich erschöpft von der Reise und dem frühen Aufstehen, und legten uns deshalb erstmal aufs Ohr. Schliesslich hatten wir eine ganze Woche, um uns die Insel anzusehen.

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Abends gingen wir noch mal zum Essen raus, es gab kaum ein Restaurant, in dem man unter 20 Euro pro Gericht weg kam, die Insel ist wirklich teuer. Selbst imn Supermarkt zahlten wir für eine Flasche Wasser 3 Euro… Dann machten wir uns noch etwas schlau und planten wir grob, was wir in unserer Woche hier sehen wollten. Da wir auf ein Wochenende auf die Insel kamen, wollten wir uns die ersten Tage noch vom Nationalpark fernhalten, um den Wochenend-Touristen aus dem Weg zu gehen.

Am nächsten Morgen beim Frühstück trafen wir gleich einige Leute, die allerdings allesamt im Begriff waren zu gehen. Wir holten uns daher Tipps ab, was man hier auf jeden Fall sehen sollte und entschieden uns, für ein paar Tage ein Auto zu mieten. Wir machten uns also auf zum erst besten Autoverleih und handelten einen guten Preis aus. Dann kam es zur obligatorischen Frage: “Könnte ich bitte Ihren Führerschein sehen?”, als Adela und ich uns verdutzt ansahen. Das hatten wir ja total vergessen, die Führerscheine waren ja ebenfalls geklaut worden! Wir versuchten der Dame unsere Situation zu erklären, worauf sie sich noch einmal telefonisch mit ihrem Chef absprach, leider ohne Erfolg. Ohne einen Führerschein oder zu mindest eine Kopie konnte sie uns kein Auto verleihen…

Wir fluchten und sahen unser Schicksal bereits wie die Köpfe von Moai in den Stein gemeisselt: wir waren ans Ende der Welt auf die Onsterinsel gefahren, um einen Lebenstraum zu verwirklichen und konnten jetzt nicht in den Nationalpark fahren, weil unsere Führerscheine geklaut worden waren. Bitterer kann einen das Schicksal in dieser Situation wohl kaum treffen… Niedergeschlagen gingen wir in die Unterkunft zurück, um den Hotelbesitzer zu fragen, ob er nicht jemanden auf der Insel kenne, der uns da aus der Patsche helfen könnte. Als kurz vor dem Hotel waren, kam er gerade mit dem Auto die Strasse entlang gefahren und siehe da: Er hatte zwei Touristen im Schlepptau, die er gerade vom Flughafen abgeholt hatte. Wir ergriffen also direkt unsere Chance und sprachen die beiden an, erzählten ihnen von unserer Situation und fragen sie, wie sie die Osterinsel befahren wollten.

Die beiden französischsprachigen Schweizer David und Leo wollten ebenfalls etwas hier sehen und liessen sich beim gemeinsamen Mittagessen von unserer Idee begeistern. So ginen wir direkt zur Tour Agentur und mieteten zu viert ein Auto für ein paar Tage. So war der ohnehin schon gute Preis zu viert auch nur noch halb so teuer, perfekt!

Da wir das Auto erst für den kommenden Tag gebucht hatten machten wir am angebrochenen Nachmittag noch einen Spaziergang. Wir gingen den Ort nach Norden heraus, an der Küste entlang. Hier erwarteten uns direkt die ersten Steinköpfe aus einer längst vergessenen Zeit. Mystisch ragten sie vor den Klippen auf, mit dem Rücken zum Meer gekehrt. Zur Nebensaison verirren sich nur wenige Touristen auf diese Insel, so schien es uns, so hatten wir die steinernen Ureinwohner weitestgehend für uns allein. Auch wenn es wolkig und windig war, irgendwie herrschte eine spezielle Athmosphäre. So verweilten wir, ruhten ein wenig mit den Moai und liessen die Stimmung, das Rauschen der Brandung auf uns wirken.

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Inselerkundung

David stellte sich als herausragender Reiseleiter heraus. Er hatte für uns eine 3-tages-Route zusammengestellt, die sich als ausgezeichnet erwies. Am ersten Tag liessen wir es ruhig angehen. Wir besuchten erstmal die weniger spannenden Statuen auf der Insel. Es gibt sie überall auf der Insel, die meisten von ihnen wurden jedoch im Laufe der Zeit umgestossen und liegen nach wie vor auf dem Boden. Der Grund hierfür ist kein einfacher Wandalismus, sondern Stammesrivalitäten. Es hatte offenbar Stammeskriege auf der Insel gegeben, so wurden die Statuen der anderen Stämme als Zeichen der Machtdemonstration umgeworfen. Wir besuchten daher zunächst diese Plätze, was schon sehr beeindruckend war.

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Ausserdem sahen wir die einzigen Moai, die sich nicht am Rand der Insel befanden. Normalerweise stehen die Moai direkt an der Küste, mit dem Rücken zum Meer. Eine einzige Gruppe der Köpfe steht im Landesinneren und blickt auf das Meer, der Grund hierfür ist bis heute ein Rätsel.

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Dann sahen wir uns noch die Hutfabrik an. Einige der Moai haben Hüte auf, die im Gegensatz zu den schwazen Statuen aus einem tötlichen Stein gehauen sind. Dieses rote Gestein gibt es nur an einem Ort auf der Insel, von dort aus wurde es zu den anderen Plätzen befördert. Die runden Hüte waren dabei wohl noch das geringste Problem, diese liessen sich rollen. Wie die Statuen allerdings über die Insel transportiert wurden ist bis heute ebefalls nicht eindeutig gelüftet. Eine Kultur voller Mysterien.

Am zweiten Tag sahen wir uns den Norden der Insel an. Am beeindruckendsten war Anakena-Beach, der einzige Strand der Insel. Die sonst grün bewachsene und feuchte Insel hatte im Norden auf einmal Sanddünen und Palmen und erinnerte mehr an eine Wüste. Auch hier standen einige sehr gut erhaltene Moai Köpfe und rundeten die ohnehin schon beeindruckende Kulisse ab. Wir sonnten uns hier ein wenig und badeten in dem ziemlich kalten Pazifik.

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Am Nachmittag wanderten wir noch auf den höchsten Vulkan der Insel hinauf. Es war ein etwa 1,5 Stündiger Weg hinauf zur Spitze. Wir spazierten an Wäldern und Wiesen vorbei und hatten einen tollen Blick über die Insel. Leider war es insgesamt sehr bewölkt, lediglich hier und dort schimmerte ein bisschen Sonne durch die Wolkendecke hindurch und reflektierte glitzernd auf dem Meer.

Am dritten Tag standen dann die Highlights auf dem Programm. Wir fuhren zum Sonnenaufgang zur längsten und am besten erhaltenen Reihe von Moai. Es waren insgesamt bestimmt 15 Statuen nebeneinander, hinter ihnen ging langsam die Sonne auf und erleuchtete den sonst düster-grauen Himmel mit einem schimmernden und leuchtenden Rot. Eine sehr beeindruckende Szenerie, die wir bestimmt eine Stunde lang genossen.

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Danach fuhren wir pünktlich zum Einlass in den ersten offiziellen Teil des Nationalparks. Hier war der Vulkan, aus dessen Stein die Köpfe geschlagen wurden. Wir hatten das Privileg, als erste eingelassen zu werden. Wir hatten etwa eine halbe Stunde, bevor die Horden von Touristen in Unmengen von Bussen herangekarrt wurden. Die Zeit reichte aus, um einmal um den Steinschlag herum zu laufen und uns alles in Ruhe anzusehen. Es stehen hier noch etwa 150 Moai herum, die ihr Ziel nie erreicht haben. Einige der Statuen wurden ausgebuddelt. Hierbei hatte man festgestellt, dass die Statuen nicht nur aus Köpfen und Oberkörpern bestehen, sondern einschliesslich der Beine modelliert wurden. Diese Monolithen aus nächster Nähe zu betrachten ist schon etwas besonderes. Einige waren auch noch unfertig und schienen noch im Fels zu ruhen. Hier war das gesamte Ausmass der Grösse am besten zu sehen, sie waren riesig.

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Danach fuhren wir noch einmal zum Anakena Strand, um Mittag zu essen und noch die Sonne zu geniessen. Gesehen hatten wir für den Tag genug Highlights.

Am vierten Tag hatten wir kein Auto mehr und gingen deshalb in den zweiten offiziellen Teil des Nationalparks. Dieser war nah an der Stadt gelegen und zu fuss erreichbar. Wir wanderten etwa 1,5 Stunden vom Dorf aus bis auf die Vulkanspitze. Adela und ich entschieden uns, den Kraterrand komplett abzuwandern, wir wurden mit einer tollen Aussicht belohnt. Das Ende des Kraters war an der Südspitze der Insel, vor uns lag nur noch das weite offene Meer, viele Tausend Kilometer bis zum Festland, egal in welcher Richtung. Hier wurde uns so richtig bewusst, dass wir mitten im Nirgendwo waren.

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Zum Abschluss sahen wir uns dann noch das Dorf an, was die Inselbewohner in einer späteren Entwicklungsphase im 17. Jahrhundert für Zeremonien erbaut hatten. Während dieser Zeit wurden schon keine Moai Statuen mehr gebaut (diese sind von ca. 500-800 bis 1700 n. Chr gehauen worden). Statt dessen wurden Make Make, dem Gott des Frühlings, Tänze vorgeführt, um den jeweils herrschenden Clan für das kommende Jahr zu bestimmen. Die Kunst veränderte sich zu Steinschnitzereien und Wandgemälden. So hatten wir auch die letzte Kultstätte der Insel besucht.

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Den Rest unserer Zeit nutzten wir, um ein paar Souvenirs zu besorgen, tranken guten, wenn auch völlig überteuerten Kaffee und assen Lemon-Pie. An den frühen Abenden gingen wir zu den nah gelegenen Moai Statuen, um die Sonnenuntergänge zu geniessen. An unserem letzten Abend besuchten wir noch eine der angebotenen Tanz- und Musik-Shows. Offenbar waren die Tänze zu Ehren von Make Make immer noch Bestandteil der Inselkultur. Anstelle der Vorherrschaft der Familien-Klans ging es allerdings heute eher darum, den Publikumssaal zu füllen.

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So liessen wir das Erlebnis Osterinsel ausklingen. Es war wirklich eine ganz besondere Zeit.

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Santiago de Chile – Die Zivilisation hat uns wieder

Schon auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt merkten wir einen wesentlichen Unterschied. Alles war sauber, die Häuser waren gestrichen, es gab Bushaltestellen, die Zivilisation hatte uns wieder. Santiago entpuppte sich als tolle Stadt. Wir kamen im Studentenviertel Bella Vista unter. Empfohlen wurde uns das Hostel von Rodrigo, den wir in Brasilien in der Chapada Diamantina kennen gelernt hatten. Er wohnte ebenfalls in Santiago.

So waren wir mitten am Puls der Stadt, Museen und historische Gebäude, Kultur, Strassenkunst, Cafés, diese Stadt lebt. Wir fühlten uns schnell wohl, was unter anderem auch an unserer hervorragenden Unterkunft lag. Wir hatten ein luxuriöses Zimmer mit lackierten Holzdiehlen, hohen, weiss getünchten und mit Stuck verzierten Decken. Ein Traum von Haus, wie er auch in deutschen Grossstädten sehr beliebt wäre.

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Adelas Stimmung erheiterte sich vor allem Mittags, wenn wir stets in das benachbarte Bistro gingen, um das deliziöse Mittagsmenü zu nehmen, um es anschliessend mit einem hervorragenden Kaffee und einem Stück Kuchen abzurunden.

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Santiago fühlte sich wirklich wie eine europäische Hauptstadt an. Hier ist keine Spur von Schwellenland zu erkennen, wie wir es auf unserer bisherigen Reise erlebt hatten. Santiago ist Zivilisation und Kultur. In der schönen Innenstadt fanden wir schliesslich auch wieder ein Telefon, so dass wir wieder leichter in Kontant mit der Aussenwelt treten konnten.

Mit Rodrigo trafen wir uns ebenfalls. Er lud uns zu Sushi zu sich nach Hause ein, wo er mit zwei Freunden vom Studium wohnte. Eine dreier WG von Anwälten, das gibt es auch nicht überall auf der Welt. Wir plauderten bei einigen Bieren, er gab uns noch ein paar Tips zur Stadt. Es war ein netter Abend.

Am nächsten Tag machten wir noch die täglich stattfindende Sightseeing Tour mit. Hierbei besuchten wir die wesentlichen historischen Gebäude der Stadt, von denen es wirklich einige gab. Ausserdem lernten wir noch Simon kennen, mit ihm gingen wir Abends noch etwas trinken. Nach ein paar Cocktails stellte sich dann heraus, dass der junge Mann mit spannenden Ansichten über das Leben gewappnet war. So philosophierten wir über den Buddhismus, das Leben und den ganzen Rest.

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Zu Besuch bei Christian in Antofagasta

Nach Calama fuhren wir nach Antofagasta, von wo aus wir einen Flug nach Santiago gebucht hatten. Grund für den Zwischenstop war ein bekannter von Adela: Christian. Sie hatten sich bei Adelas letzter Reise in Rio kennen gelernt. Christian war ein super Typ! Er holte uns direkt nach unserer Ankunft im Hotel ab, erpicht darauf, uns in der kurzen Zeit die wir hier hatten, alles in seiner Heimatstadt zu zeigen. So fuhren wir noch am ersten Abend zum Pedra Fugada, einem Felsen mit einem Loch in der Mitte, der vor der Küste im Meer steht. Leider war es gegen 22:00 Uhr natürlich schon dunkel, so dass wir ihn nur schemenhaft erkennen konnten.

Am Tag liefen wir etwas durch die Innenstadt, auf der Suche nach Dingen, die wir verloren hatten. Antofagasta ist allerdings eine der teuersten Städte des ohnehin schon sehr teuren Landes. So wurden wir nicht wirklich fündig. Am zweiten Abend zeigte Christian uns noch das Stadt Casino, dass von seiner Grösse durchaus in Las Vegas hätte stehen können. Ausserdem sahen wir noch alte Kupferaufbereitungs-Werke, die mittlerweile stillgelegt sind und als Museum dienen. Wir gingen noch einen Cocktail trinken, dann fuhr uns Christian wieder nach Hause. Am nächsten Morgen sollte es nach Santiago weiter gehen.

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