Kulturschock Brasilien

Hiermit wollen wir die Blogkategorie “Kulturschock” einführen. Es werden nicht in dem Sinne Reiseberichte veröffentlicht, sondern lediglich die Eigenarten der jeweiligen Region dokumentiert. Um gleich eins vorweg zu nehmen, die hier beschriebenen Eigenarten sollen keineswegs Vorurteile schüren oder Fremdenhass fördern, es sind lediglich Dinge, die uns während unserer Reise aufgefallen sind. Einen ähnlichen Kulturschock würden viele Menschen wohl auch in Deutschland in nicht minderer Stärke empfinden. Also nicht zu ernst nehmen. :D

Geld abheben

Bereits in den ersten Tagen mussten wir leidlich feststellen, dass Geld aus einem Automaten ziehen in Brasilien keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist, zu mindest nicht für Ausländer. Wir hatten uns extra die DKB-Kreditkarte besorgt, mit der wir an Geldautomaten auf der ganzen Welt gebührenfrei abheben können, aber nicht mit den Brasilianiern. In den ersten Tagen versuchten wir es erfolglos bei diversen Banken. Die Meldungen waren vielfältig, hatten aber in der Regel die selbe Aussage: “Could not contact your Credit Institute”, “General Network Error”, unsere Lieblingsmeldung “Daily Limit Exceeded”, das einfache wieder ausspucken der Karte nach eingegebener Pinnummer oder schlicht und ergreifend das vollständige Ignorieren unserer eingesteckten Karte mit der Aufforderung: “Please insert your Card!”. Die einzigen zuverlässigen Banken waren schliesslich die Bradesco und HSBC, ohne diese beiden Kreditinstitute wären wir vermutlich verloren gewesen.

Kopfrechnen

Das Geld in Brasilien ein spezielles Thema ist, zeigte sich auch an anderer Stelle. Die Fähigkeit, das kleine Ein-mal-Eins im Kopf zu rechnen, gehört in Deutschland zum Grundschulstoff, ist in Brasilien jedoch keineswegs eine Voraussetzung, in einer gastronomischen Einrichtung arbeiten zu können. Schnell gewöhnten wir uns an, die Rechnungen in Restaurants auf jedes Detail zu überprüfen. In der Regel waren einige Posten darauf aufzufinden, die wohl “versehentlich” falsch gebucht wurden. Hatte man diese erst einmal ausgemacht und reklamiert, kam dann eine korrigierte Rechnung zurück. Diese enthielt dann zu mindest schon einmal die korrekten georderten Speisen und Getränke. Dann kam jedoch hinzu, dass die Preise teilweise von den in der Karte angegebenen abwichen. War auch dieser Makel beanstandet und korrigiert, so stimmte immer noch die Gesamtsumme nicht mit unseren Ergebnissen überein. So konnte es schon einmal eine halb Stunde dauern, bis man eine korrekte Rechnung erhielt. Am Ende mussten wir uns nur noch hüten, die krummen Beträge passend in Kleingeld dazuzulegen, also z.B. 67,50 R$ mit 117,50 R$ zu bezahlen, um 50 R$ Wechselgeld zurückzubekommen, denn dieses Unterfangen endete in der Regel IMMER mit einem DESASTER.

Multitasking

Eine weitere Auffälligkeit des brasilianischen Service Personals ist die fehlende Fähigkeit, Aufgaben zu priorisieren, geschweige denn gleichzeitig auszuführen. Nachdem wir beispielsweise in einer Strandbar etwas gegessen hatten, dauerte es gerne mal eine halbe Stunde, bis der Kellner auf die Idee kam, sich mal wieder blicken zu lassen. Wenn er dann tatsächlich einmal aufkreuzte, um das mitlerweile von Fliegen übersähte Geschirr abbzuräumen, durfte man in jedem Fall nicht den Fehler begehen, ihn mit einer zweiten Aufgabe, wie z.B. der Bestellung eines weiteren Getränks zu belasten. Tat man dies dennoch, so stellte er das so eben in die Hand genommene Geschirr wieder auf unserem, oder wahlweise auch dem Nachbar-Tisch ab, um dann in die Küche zu eilen und die Bestellung weiter zu geben, anstatt das Geschirr einfach mitzunehmen. Anschliessend war dann die alte Aufgabe auch offenbar nicht mehr in der Warteschleife, sondern wurde einfach vergessen. So labten sich die Fliegen vermutklich meist noch Stunden lang an unseren Essensresten, nachdem wir uns schon lange die Sonne auf den Pelz brennen liessen oder uns in den Wellen abkühlten.

Eine andere Art der Mode

Bereits am ersten Tag fiel uns der spezielle Geschmack der Brasilieros auf, wenn es um das Thema Kleidung geht. Das die Bikini Mode hier etwas knapper als im europäischen Durchschnitt ausfällt, ist zum ersten kein Geheimnis und sollte, speziell die Männerwelt, wohl auch kaum als Störend empfunden werden. Ein Spaziergang am Strand zeigte uns jedoch direkt, dass weniger nicht immer mehr ist. Die Brasilianerinnen fehlt offenbar etwas, dass wir in Europa Schamgefühl nennen, was grundsätzlich natürlich eher eine positive Eigenschaft ist. Die Anblicke, die wir dafür am Strand ertragen mussten, waren allerdings teils schon sehr heftig. Die ohnehin recht gut bestückten älteren Damen zwengten sich in String-Tangas hinein, die mindestens zwei bis drei Nummern zu klein für ihre ausladenden Hinterteile waren, so dass der schmale Faden Stoff hoffnungslos in den Körperrundungen unterging.

Eine weitere spannende Geschmacksverirrung empfanden wir die grobmaschig gehäkelten, hautfarbenen Netzkleider, die von der selben Zielgruppe getragen wurde. Hauteng geschneidert bedecktge der Stoff nur etwa 30 % des Körpers, die anderen 70% liessen wiederum tiefe Blicke auf die zuvor angesprochene Bademode erhaschen. Einzigartig! Leider haben wir davon kein Bild einfangen können…

Ansonsten kleidet sich die brasilianische Bevölkerung recht farbenprächtig, was auch in etwa unseren Vorstellungen entsprach. Viele Neonfarbene Tops, dazu häufig eine kurze Jeans-Shorts. Erst dachten wir, die Menschen würden sich diese aus langen Hosen selbst schneidern, in dem sie einfach die Beine abschnitten, da die Hosentaschen immer noch weit über den Saum der angedeuteten Hosenbeine hinausragten. In diversen Klamottenläden und auf dem Markt mussten wir dann jedoch feststellen, dass dies offenbar ein gewollter Effekt war, denn die herauslukenden Hosentaschen schienen geradezu in ihrer Länge miteinander zu konkurrieren.

Das letzte Accessoire, dass wir hier hervorheben möchten, ist der Turnbeutel. Anstelle von Taschen, Rucksäcken, HipBags oder was auch immer, tragen unglaublich viele Leute hier einfach Turnbeutel auf dem Rücken. Johanna, hier hast du deine perfekte Zielgruppe gefunden! :D

Schaulaufen am Strand

In den meisten grösseren Küstenstädten gab es eine lange Strandpromenade, auf der die Menschen vor der Dämmerung ein Schaulaufen veranstalteten, um ihre neuen Turnbeutel und Netzkleider zu präsentieren. Ausserdem wurde der Gehweg zu vielerlei Arten von Sport genutzt. Häufig traf man sportlich gekleidete Menschen, mit iPod am einen und Pulsmesser am anderen Arm, Stirn- und Schweissband durften nicht fehlen, wenn sie Promenade im Eiltempo entlang… …gingen. Nein von Laufen ist hier keine Rede, da könnte ja der Eindruck entstehen, man habe es eilig. Eins ist sicher, in Braslien hat es niemand eilig. Und deshalb wird auch nur in kompletter Sportmontur am Strand entlang gegangen. Sympathisch :D

Die kulinarischen Genüsse

Im Allgemeinen ist die brasilianische Küche eher puristisch und besteht in erster Linie aus Reis, Bohnen, Farofa (ein zu Pulver kleingemahlenes Getreide, dass zur Sättigung dient) und dazu viel Fleisch. Fast schon unglaublich, dass so viele Brasilianier bei dieser Nahrung so durchtrainiert und sportlich gebaut sind. Nichtsdestotrotz gibt es in Brasilien auch viele, einzigartig leckere Geschmäcker zu finden, die uns restlos begeistert haben. Nicht zu letzt die frischgepressten Säfte, die es an jeder Strassenecke und in jedem Restaurant günstig zu kaufen gab. Wahlweise natürlich auch gerne mit Spirituosen angereichert ;-)

Als eine besonders erwähnenswerte Frucht empfanden wir Açai. Eine Beere, die hauptsächlich im Amazonasgebiet wächst und die kaum an anderen Orten auf der Erde zu finden ist. Serviert wird sie typischerweise als eine Art Sorbet, dass es ebenfalls an vielen Strassenständen zu bekommen gibt. Tiefgefroren wird ein Açai Block in den Mixer geworfen und klein püriert. Anschliessend gibt es Bananenscheiben und Granola (ähnlich wie Müsli) obendrauf, wer möchte, kann es sich noch mit Honig versüssen lassen, worauf wir meistens verzichteten. Zusammen ergibt das ein unglaublich leckeres Frühstück oder auch eine nette Zwischenmahlzeit am Nachmittag. Ein grossartiger Genuss! Kaum zu fassen, dass diese Frucht noch nicht die Bistros deutscher Innenstädte erobert hat…

Was uns ausserdem noch gut gefiel, war das Brasilianische Pendant zum All-You-Can-Eat-Menü. Natürlich gab es auch solche zu finden, gängiger ist allerdings ein Konzept, dass sich Self-Service nennt. Das Prinzip ist einfach: Es gibt ein Buffet mit verschiedenen warmen und kalten Speisen, Beilagen, Salaten und Nachspeisen. Man bedient sich selbst, anschliessend wird der Teller abgewogen, man bezahlt nur, was man auch isst. Auf diese Weise lässt sich erstens ein individuelles Menü zusammenstellen, das nur enthält, was man auch wirklich essen mag. Der grösste Vorteil gegenüber des All-You-Can-Eat-Prinzips ist jedoch die Tatsache, dass man nicht den Zwanghaften Druck verspürt, noch einen Teller mehr zu nehmen, weil man ja schliesslich für ALLES bezahlt hat. So gingen wir stets mit einem angenehmen Gefühl im Magen hinaus, hatten Salat, Hauptgericht mit exklusiv auf den Punkt gegrilltem Rinderfilet, Sushi und ein Dessert gehabt, und das ganze in der Regel zu einem sehr fairen Preis. Und das Beste: Es wird nicht so viel weggeworfen! Hier könnte sich Europa gerne mal ein Vorbild nehmen!

Familiensonntag

Eine weitere Attraktion in unseren Augen, waren die sonntäglichen Familienausflüge. Der Brasilianier fährt hierzu nicht etwa irgendwo ins Grüne, warum auch, wenn das Meer direkt vor der Haustür ist. Er packt also statt dessen die Familie ins Auto und fährt in ein nahegelegenes Strandlokal mit Plastikstühlen. Dort bestellt Mutti morgens um 09:00 Uhr schon mal eine grosse Flasche Bier für alle und packt dazu schon mal den mitgebrachtgen Whiskey aus, der anschliessend mit der bestellten Cola gemischt wird. Vaddi parkt derweil schon mal das Auto in unmittelbarer Nähe der Sitzplätze und öffnet den Kofferraum, wo statt Decken und Handtüchern nur riesige Bassboxen zu finden sind. Die Anlage wird also bis zum Anschlag aufgedreht, um die gesamte Nachbarschaft mit zu beschallen. So verbringt die Familie dann bis zum Einbruch der Dunkelheit unter einem Sonnenschirm, bis alle Sternhagelvoll sind, gröhlen und tanzen.

Ostern in Iguacu

Brasilianische Seite

Am Ostersonntag sind wir morgens wie geplant zur brasilianischen Seite des Wasserfalls gefahren. Nach einem, für die brasilianischen Verhältnisse sehr gutem, Frühstück sind wir gut gestärkt mit dem öffentlichen Bus losgefahren. Nach den Erlebnissen in Rio waren wir auf das schlimmste eingestellt, so konnte uns die lange Schlange nicht groß schockieren. Nach der ersten Schlange für die Tickets reihten wir uns brav in die zweite für den Bus Transport ein. Nach insgesamt etwa einer Stunde waren wir dann am ersten Ausgangspunkt, von wo aus man gut die Sightseeingtour beginnen konnte. Es ging einen kleinen Dschungel Pfad entlang, der dann schnell zum Flussufer führte und uns bereits erste Blicke auf die fallenden Wassermassen erhaschen ließ.

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Wir liefen weiter das Flussufer entlang, immer wieder gab es Aussichtspunkte, an denen sich Horden von Touristen versammelten, um ein Foto von sich vor der traumhaften Kulisse zu schiessen, so hielten wir es auch.

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Endlich erreichten wir dann das Ziel, eine letzte Aussichtsplattform, die in den Fluss hinein gebaut war, und einen sehr nahe an das tosend herabregnende Wasser gelangen ließ. Schon von weitem war gut zu erkennen, dass es ein ziemlicher Hexenkessel war, jeder wollte dort den Abschluss der Tour krönen.

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Wir versuchten erfolglos uns vorzuschummeln, die Ordner waren leider zu aufmerksam… so entschieden wir uns dafür, die Plattform auszulassen und stattdessen auf andere Weise näher an den Wasserfall heranzukommen: mit dem Boot!

Wir buchten also eine 2 Std Tour mit Dschungelwanderung, was wir nicht bereuen sollten. Daß wir nass werden würden wussten wir vorher, daher legten wir ab was möglich war und stiegen in die Schwimmwesten und auf das Speedboat. Wir fuhren stromaufwärts richtung der Wasserfälle, wo bereits heftige Stromschnellen unser Boot durchschaukelten, ein riesen Spaß mit Adrenalinfaktor. Im Eiltempo ging es über die Wellen, bis wir dann schließlich den Wasserfall erreichten, den wir nun aus direkter Nähe betrachten konnten. Viel zeit blieb dafür allerdings auch nicht, denn schon hielt der Steuermann direkt auf den Wasserstrahl zu und lenkte das Boot mitten hindurch. Schnell waren alle pitschnass und kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus. Wir drehten dort ein paar runden, immer wieder unter dem Wasser hindurch, sodass danach alle bis auf die Unterwäsche durchnässt waren. Auch auf der Rückfahrt legte sich unser Kapitän so richtig ins Zeug und drehte eine Pirouette nach der nächsten und ließ das boot dabei geschmeidig über die Wellen gleiten.

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Dann ging es fix zurück, da wir keine Wechselklamotten dabei hatten und uns auch keine Lungenentzündung zuziehen wollten. Im Hotel angekommen, buchten wir noch schnell eine Tour für den kommenden Tag, auf der argentinischen Seite.

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Argentinische Seite

Wir wurden am nächsten Tag direkt morgens im Hotel abgeholt, was für ein Luxus. An der argentinischen Grenze regelte unser Busfahrer alle Formalitäten, so dass wir entspannt warten konnten, bis das Prozedere vorüber war. Hier kamen wir auch mit Frank ins Gespräch, der aus Berlin stammte und sich ebenfalls für Fotographie interessierte. Im Nationalpark in Agentinien angekommen schlossen wir uns in kleinen Grüppchen zusammen. Während wir mit Frank durch den Park liefen und  ein wenig über Kameras fachsimpelten, entwickelte Adela, die bei dem Thema Fotografie normalerweise die Augen verdreht, ungeahnte Qualitäten als Foto-Assistentin.

Die argentinische Seite war deutlich leerer als die Brasilianische. Die Argeninier hatten an diesem Ostermontag zwar noch frei, die extremen Touristenmassen des Vortags blieben uns an diesem Tag aber zum Glück erspart. Der grösste Teil des Geländes war oberhalb des Flusses gebaut und bot beeindruckende Ansichten aus nächster Nähe auf den Wasserfall. Wir fuhren zuerst ein Stück mit einer Bahn zum Highlight des Parks: El Cueva Diablo, die Höhle des Teufels. Das Herz des Wasserfalls, was wir am Vortag ja leider nicht hatten richtig sehen können, konnten wir nun aus nächster Nähe bestaunen. Die enormen Wassermassen sorgten für eine dermassen hohe Luftfeuchtigkeit, dass es schwierig war, hier Fotos zu schiessen, ohne dabei die Kamera zu ruinieren, ein paar Aufnahmen gelangen dennoch.

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Auf das zweite Highlight des Parks, eine kleine Insel mitten im Fluss, die eine Rundumansicht auf den Wasserfall ermöglicht, konnten wir leider nicht mehr gelangen. Es sind täglich nur eine bestimmte Menge Personen zugelassen, sehr sinnvoll wie wir alle fanden, allerdings war für den heutigen Tag bereits das Limit erreicht. So nahmen wir noch die anderen zahlreichen Wanderwege, die ebenfalls tolle Ausblicke boten. Wir sahen ausserdem Krokodile im Fluss, riesige, Wels-artige Fische, farbenprächtige Schmetterlinge und mit Regenbögen verzierte Wasserfall-Anblicke. Die argentinische Seite war wirklich noch um einiges schöner, als die brasilianische.

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Wildlife und Vogelpark Iguacu

An unserem letzten Tag wollten wir eigentlich noch einen Wildpark besuchen. Hier werden verletzte Tiere aufgenommen und versorgt, um dann später wieder in die Wildnis entlassen zu werden. Hier sollte es Jaguare, Pumas und allerlei exotische Tiere geben. Leider war das Refugio Zoologico ausgerechnet Dienstags geschlossen. So gingen wir alternativ in den Vogelpark, in dem auch allerhand geboten wurde. Viele Papagai-Arten, unter Anderem Aras, die uns mit “Hola!” begrüssten, Eulen, Kolibris und Schmetterlinge in Hülle und Fülle. Am besten gefielen uns die Freiluftgehege. Im ersten waren hauptsächlich Tukane zu bestaunen, nicht umsonste trägt er den Beinamen Paradisvogel. Im zweiten waren Papageien in allen erdenklichen Farben zu sehen, die wirklich laut kreischten und dadurch für eine fast bedrohliche Stimmung sorgten. Es war eine sehr spezielle Atmosphäre, fast wie in der freien Natur. Im letzten Gehege waren riesige Schmetterlinge und Kolibris, die sich offenbar bestens verstanden.

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So genossen wir unseren letzten Tag in Brasilien, lagen noch ein bisschen am Hotelpool herum, entspannten uns in unserem luxuriösen Zimmer und gingen noch einmal schick essen. Denn der Rest unserer Reise stellte nun für uns beide absolutes Neuland dar. Für den nächsten Tag hatten wir ein Flugticket nach Asuncion in Paraguay gebucht, wo wir eine Nacht zwischenlandeten und übernachteten wollten, um dann am nächsten Tag zu unserem eigentlichen Ziel weiterzufliegen: Santa Cruz de la Sierra, die grösste Stadt im Zentrum des ärmsten Landes Südamerikas, Bolivien!

Sightseeing in Rio: Christo – Santa Theresa – Zuckerhut

Die folgenden Tage hatten wir leider etwas Pech mit dem Wetter. Oft regnete es, so dass sich unser Tagesprogramm meist auf Shoppen, Essengehen, Aquajogging mit Caro, abends mal mit Denise und Fabio einen Drink nehmen und den Amerikanern bei einer Jam-Session id der BipBip Bar zuhören beschränkte. Wir dachten schon, Rio verlassen zu müssen, ohne den Christo oder den Zuckerhut gesehen zu haben, doch das Glück meinte es gut mit uns. Nach einer Woche grauen Himmels kündigte der Wetterbericht bereits am Vorabend an, dass es noch einmal richtig sonnig werden sollte. Wir fackelten also nicht lange und stellten eine mutige Planung auf: Morgens auf den Cocovado zum Christo fahren, danach nach Santa Theresa fahren und die Escadaria Selaron zu sehen und danach noch auf den Zuckerhut fahren. Ein optimistisches Ziel, ursprünglich sollte jedes der drei Ziele ein Tagestrip werden!

Der Tag begann wie versprochen sonnig. Wir machten uns zeitig auf und versuchten, den einzigen Bus zu nehmen, der direkt zur Bodenstation des Cocovado fährt. Wir warteten etwa 20 Minuten vergeblich, bis wir ein brasilianisches Paar ansprachen, die offenbar auf den selben Bus zu warten schienen. So teilten wir uns ein Taxi und kamen schnell bei der Talstation an. Hier offenbarte sich uns ein Menschen-Chaos! Konnten wir wirklich so naiv gewesen sein zu denken, dass nicht JEDER TOURIST IN RIO DE JANEIRO AN DIESEM ERSTEN SONNIGEN TAG NACH EINER WOCHE REGEN ZUR CHRISTUS STATUE HOCH WILL??? Diverse Schlangen zu, für uns zunächst undurchsichtigen Zielen wanden sich die Strassen entlang. Wie wir erfuhren gibt es verschiedene Möglichkeiten, auf den Berg zu gelangen: Mit kleinen Taxis, mit etwas grösseren Shuttle-Bussen und mit der Seilbahn, für die wir uns aufgrund des Panoramas entschieden hatten. Wir stellten uns also in die mehrere hundert Meter lange Schlange an, die aber trotzdessen recht schnell voran ging. Nach etwa 30-40 Minuten, gegen 10:45 Uhr waren wir in Sichtweite des Schalters, wo wir schockert die Leuchtschrift erblickten: “Next Train at 13:20″!!! Wie bitte?!? Wie wir später erfuhren macht die Seilbahn zwischen 11:00 und 13:00 Uhr Mittagspause, ohne Worte… Da wir keine 2,5 Stunden herum sitzen wollten, stellte ich mich zunächst in der Shuttle-Bus Schlange an, während Adela nach weiteren Alternativen suchte. Kurz danach kam sie zurück und zog mich aus der Schlange: “Schnell, schnell, sonst fahren sie ohne uns los!”. Wir hechteten zu einem der kleinen Privattaxen, das uns dann auch direkt den Berg hoch fuhr, und das zum halben Preis der Seilbahn. “Was sind wir doch für Füchse”, bauchpinselten wir uns gegenseitig, bis wir an der nächsten Parkstation ankamen, wo uns der Taxifahrer bedeutete auszusteigen, um uns an der nächsten Schlange anzustellen. Wir hatten gerade die Hälfte des Weges zur Christusstatue zurück gelegt, weiter dürfen PKW nicht mehr den Berg hinauf. Wieder warteten zwei Schlangen auf uns, eine für die Tickets, die andere für den Bus nach oben. Adela schaltete schnell, so stellten wir uns parallel an und sparten die Hälfte der Wartezeit ein. Insgesamt verbrachten wir aber mit Sicherheit weitere 45 Minuten mit Warten… So waren wir gegen etwa 12:30 oben bei der Christus Statue, immer noch deutlich schneller, als hätten wir auf die Seilbahn gewartet. Ich möchte sogar die Theorie aufstellen, dass es an diesem Tag niemand schneller nach oben geschafft hat, als wir. Na gut, vielleicht die ersten, die direkt bei der Eröffnung am Eingang gewartet haben. Aber in jedem Fall: Das Warten hatte sich gelohnt!

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Der Ausblick von dem Cocovado auf die Stadt ist wirklich unglaublich. Es wäre ein Jammer gewesen, hätten wir zwischenzeitlich auf unseren Missmut gehört und wären umgekehrt, wozu wir durchaus in Versuchung gewesen waren. Trotz der Menschenmassen, die natürlich auch hier oben wieder versammelt waren, war es ein einmaliges Erlebnis! Der Ausblick zu allen Seiten, die vielen kleinen Inseln im Mehr, die Berge rings herum, die Stadt, die mitten in diese Landschaft hineingebaut wurde, so etwas gibt es kein zweites Mal auf der Welt! Da störten die ringsherum auf dem Boden liegenden Touristen nur wenig ;-)

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Wir genossen den Ausblick und die Athmosphäre in vollen Zügen und posten füreinander vor diversen Kulissen, bevor wir uns wieder an den Abstieg machten. Die Anstrengungen hatten sich in jedem Fall gelohnt! Auf dem Rückweg liessen wir uns vom Taxifahrer auf halber Strecke rauslassen, um den Bus nach Santa Theresa zu nehmen, einem Künslter Viertel am Hang des Cocovado, dass am Fuss des Berges im Ausgehstadtteil Lapa endet. Wir kamen etwas runter von dem Troubel und tranken einen guten Latte Macchiato, der in Brasilien gar nicht so leicht zu bekommen ist. Das berühmte Cablecar, eine alte Strassenbahn, war leider seit kurzem ausser Betrieb, da es einen Unfall mit Todesfolge gegeben hatte. So liefen wir zu Fuss durch die gepflasterten, sich den Berg herab windenden Strassen, wo es überall viel zu sehen gab.

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Neben der Strassenkunst sahen wir uns noch den Parque das Ruinas an. Die einzige Ruine, die es hier zu sehen gab, ist ein altes Herren- (oder besser Damen-) Haus. Abends ist es wohl auch ein Veranstaltungsort mit Bühne, tagsüber Park, Museum und grossartiger Aussichtspunkt. Vom Dachgiebel aus liess sich die Stadt in alle Richtungen überblicken, ein herrliches Panorama.

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Dann machten wir uns weiter auf den Weg bergab, zur Escadaria Selaron. Aufgrund einer Empfehlung begingen wir die Treppe untypischer Weise von oben. Hier ist zunächst nichts weiter zu sehen. erst auf der ersten Zwischenplattform drehten wir uns um, und sahen das Kunstwerk in voller Pracht.

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Innerhalb von etwa 15 Jahren wurde diese Treppe vom kürzlich verstorbenen Künslter Selaron (hier auf seiner eigenen Treppe zu sehen)

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geschaffen, indem er sie mit Fliesen aus der ganzen Welt verzierte. Tatsächlich sahen wir uns jede Fliese einzeln an, denn natürlich suchten wir nach ein paar ganz speziellen, und wir wurden fündig:

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Nachdem wir uns an der Vielfalt aus aller Welt satt gesehen hatten nahmen wir ein Taxi, um noch rechtzeitig am Zuckerhut zu sein. Auch dort erwartete uns trotz fortgeschrittener Stunde eine lange Schlange bei der Seilbahn. Wir beschlossen trotzdem, jetzt nicht kurz vor dem Ziel aufzugeben und reihten uns ein. Wieder eine gute Dreiviertelstunde später standen wir in der Seilbahn auf den ersten Berg, vor dem Zuckerhut. Bereits hier präsentierte sich uns eine tolle Sicht auf die Stadt. Da es jedoch bereits dämmerte beschlossen wir schnell zur nächsten Seilbahnstation zu gehen, um das finale Ziel noch vor der Dunkelheit zu erreichen. Der sich uns hier bietende Anblickzug uns fast die Schuhe aus: Die Menschen bildeten eine durchgehende Schlange bis zum Ausgang der ersten Seilbahnstation, bei der wir angekommen waren… So vergingen weitere 45 Minuten, bis wir es endlich auf den Pao de Azucar schafften. Oben angekommen war es tatsächlich schon fast vollständig dunkel. Abgesehen von den deutlich kühler werdenden Temperaturen tat es der Kulisse sonst keinen Abbruch. Im Gegenteil, vielleicht entfaltet die Stadt erst bei Dunkelheit ihre vollständige Schönheit:

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So gelang uns das unmögliche! Wir meisterten alle Sightseeing Spots, die wir für eine Woche geplant hatten, an einem einzigen Tag, und das noch ausgerechnet an dem Tag, dem einen Tag mit sonnigem Wetter nach einer Woche Regen, dem einen Tag, an dem die halbe Stadt das gleiche vor hat.

We did it! And we did it without stress!

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